Eine bemerkenswerte Verschiebung zeichnet sich im globalen KI-Entwicklungsmarkt ab: chinesische Unternehmen veröffentlichen zunehmend grosse Frontier-KI-Modelle als Open Source, während sich amerikanische Tech-Konzerne stärker auf die Optimierung ihrer Hardware spezialisieren. Das Qwen-Modell von Alibaba etabliert sich dabei als De-facto-Standard in der chinesischen KI-Entwickler-Community.

Dieses Phänomen hat mehrere Ursprünge. Zum einen hat China in den letzten Jahren massiv in KI-Forschung und -Entwicklung investiert und sieht die Veröffentlichung von Modellen als strategischen Vorteil, um den eigenen Markt zu stärken. Zum anderen ermöglichen offene Modelle Entwicklern weltweit, auf Grundlage dieser Systeme aufzubauen, was wiederum Chinas Position als KI-Powerhouse festigt.

US-amerikanische Unternehmen verfolgen hingegen eine andere Strategie: Sie konzentrieren sich darauf, spezialisierte Hardware zu entwickeln, die KI-Modelle effizienter ausführt. Dies sichert ihnen wirtschaftliche Vorteile, da Hardware-Lösungen leichter monetarisierbar sind als Modelle.

Für europäische und Schweizer KMU hat diese Entwicklung Konsequenzen. Zum einen wird der Zugang zu state-of-the-art KI-Modellen durch chinesische Open-Source-Veröffentlichungen erleichtert. Dies könnte Innovationen fördern, wirft aber auch Fragen zu Datenherkunft, Überwachung und Abhängigkeiten auf. Zum anderen zeigt sich eine Verschiebung der KI-Wertschöpfung: Während Models schneller verfügbar werden, wird die Kontrolle über spezialisierte Hardware und Infrastruktur zum kritischen Erfolgsfaktor.

Schweizer Unternehmen sollten diese Verschiebung bei ihrer Strategie zur KI-Adoption berücksichtigen und diversifizierte Ansätze wählen, die nicht von einer einzigen Region oder einem einzelnen Anbieter abhängen.