Die geopolitischen Spannungen zwischen den USA und China beeinflussen zunehmend die globale Halbleiterindustrie. Die US-Regierung hat signalisiert, dass amerikanische Konzerne wie Apple keine Speicherchips aus China verbauen dürfen, selbst wenn dies wirtschaftlich sinnvoll wäre. Dies ist Teil einer breiteren Strategie zur Kontrolle und Eindämmung des chinesischen Halbleitersektors.
Die Marktsituation macht dies besonders problematisch: Der globale Markt für Speicherchips (DRAM und NAND-Flash) ist angespannt. Chinesische Hersteller könnten Kapazität bereitstellen und möglicherweise Preise senken, doch der Export solcher Komponenten zu amerikanischen Konzernen ist de facto untersagt. Apple hat längst hohe Abnahmemengen von westlichen Anbietern wie Micron, SK Hynix und Samsung und sitzt damit in einer schwachen Verhandlungsposition bezüglich Preisen und Liefermengen.
Micron und andere US-Anbieter nutzen diese Situation, um Preiserhöhungen durchzusetzen. Apple muss trotz Engpässe die teuren westlichen Komponenten abnehmen. Dies zwingt das Unternehmen, höhere Materialkosten einzukalkulieren, die letztendlich an Konsumenten weitergegeben werden könnten.
Für die Schweizer IT-Branche und ihre Kunden hat diese Entwicklung mehrere Implikationen. Erstens zeigt sie, dass geopolitische Faktoren Lieferketten und Preise direkt beeinflussen. Unternehmen sollten ihre Abhängigkeit von US-amerikanischen oder europäischen Lieferanten überprüfen. Zweitens könnten Preiserhöhungen bei Consumer-Geräten folgen, die für Unternehmenskunden relevant sind, etwa bei Notebooks und Tablets. Drittens wird sichtbar, dass langfristige Bezugsverträge mit mehreren Lieferanten aus verschiedenen Regionen an Bedeutung gewinnen.
Die Sanktionen signalisieren auch eine Verlagerung der Halbleiter-Geopolitik. Westliche Hersteller bauen Kapazität aus, müssen aber Jahre für Fab-Ramp-up brauchen. Kurzfristig bleibt die Angebotsknappheit bestehen und verstärkt die Preisdrücke auf Endprodukte.
