Moderne Krankenhäuser sind eng mit ihren IT-Systemen verwoben: Patientendaten, Medikamentenverwaltung, medizinische Geräte und Kommunikation sind alle digital vernetzt. Ein flächendeckender IT-Ausfall kann daher schnell zur Katastrophe werden. Nico Brüggemann vom Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie (SIT) beschäftigt sich intensiv mit dieser Problematik und führt Krisensimulationen durch, um Krankenhäuser auf solche Szenarien vorzubereiten.
Die Erkenntnisse sind beunruhigend: Viele Krankenhäuser verfügen zwar über theoretische Notfallpläne, doch in der Praxis zeigt sich schnell, dass diese Pläne bei echtem Stress oft nicht funktionieren. Personal ist nicht ausreichend geschult, Abläufe sind unklar, und die Übergänge zu manuellen Prozessen sind nicht durchdacht. In einer Simulation wird schnell deutlich, wie chaotisch es wird, wenn Systeme ausfallen, auf die das gesamte Krankenhaus angewiesen ist.
Die Tests offenbaren typische Probleme: Papierbasierte Backup-Systeme sind nicht vorhanden, das Personal weiss nicht, wie es ohne Computersysteme arbeiten soll, und die Koordination zwischen verschiedenen Abteilungen bricht zusammen. Besonders kritisch wird es bei lebenserhaltenden Systemen, die auf ständige Stromversorgung und Datenkommunikation angewiesen sind.
Brüggemann und sein Team arbeiten daher daran, Krankenhäuser systematisch auf diese Ausfallszenarien vorzubereiten. Das bedeutet: regelmässige Trainings, klare Notfallbücher mit praktischen Abläufen, redundante Systeme und eine Kultur, die ernsthafte IT-Sicherheit ernst nimmt.
Für Schweizer KMU-IT-Dienstleister ist dieses Thema hochrelevant, da viele Spitäler und Kliniken zu ihrem Kundenstamm gehören. Es ist wichtig, solche kritischen Infrastrukturen nicht nur technisch abzusichern, sondern auch operative Notfallpläne zu entwickeln und regelmässig zu testen. Eine ganzheitliche Resilienzstrategie, die Technik und Prozesse kombiniert, ist unverzichtbar.
