Während weltweit Unternehmen zunehmend KI-Systeme in der Personalbeschaffung und dem Personalmanagement einsetzen, zeigen sich deutsche Organisationen deutlich vorsichtiger. Eine aktuelle Umfrage offenbart einen signifikanten Unterschied zwischen Deutschland und anderen Ländern: Viele deutsche Firmen nutzen solche Systeme noch nicht oder sehr begrenzt.
Die Gründe für diese Zurückhaltung sind nachvollziehbar und beruhen auf echten regulatorischen und ethischen Herausforderungen. Das neue EU-Gesetz über künstliche Intelligenz (AI Act) schränkt den Einsatz von KI bei bestimmten HR-Anwendungen stark ein, besonders wenn diese als "hochrisiko" eingestuft werden. Kandidatenbewertung und automatisierte Auswahlverfahren fallen in diese Kategorie. Die genauen Anforderungen sind noch nicht vollständig klar, was Unternehmen verunsichert.
Hinzu kommen Datenschutzbedenken, die in Deutschland und der Schweiz besonders ernst genommen werden. KI-Systeme zur Personalauswahl verarbeiten hochsensible personenbezogene Daten wie Lebenslauf, Zeugnisse und möglicherweise auch Videointerviews. Die Risiken von Diskriminierung, Datenmissbrauch und mangelnder Transparenz sind real. Viele Unternehmen fragen sich zu Recht, ob sie die neuen Anforderungen erfüllen und die Verantwortung tragen können.
Für KMUs ist diese Vorsicht sogar erhöht, da sie oft nicht die Ressourcen haben, um rechtliche Compliance-Risiken zu managen oder interne KI-Systeme zu überwachen. Externe KI-Services zu nutzen, bedeutet, Kontrollverlust über sensible Personaldaten zu akzeptieren. Das ist für viele Organisationen nicht akzeptabel.
Allerdings müssen Unternehmen auch beachten, dass Wettbewerber in anderen Ländern durch KI in der Rekrutierung Effizienzgewinne erzielen. Die aussergewöhnliche Vorsicht könnte ein Nachteil werden. Es ist daher sinnvoll, dass Organisationen jetzt damit beginnen, sich mit dem AI Act und den Anforderungen auseinanderzusetzen, um verantwortungsvolle KI-Anwendungen zu entwickeln. Die Regulierung schafft auch eine Gelegenheit, dass Anbieter transparenter und ethischer agieren müssen, was letztendlich allen zugute kommt.
