Das Einreisesystem EES, das die europäische Grenzsicherheit verbessern sollte, hat sich als praktisches Desaster entpuppt. Das System erfasst biometrische Daten wie Fingerabdrücke und Fotos von Reisenden an Schengen-Grenzen, um Sicherheitsrisiken zu minimieren und Reisebewegungen zu verfolgen.

Doch statt mehr Sicherheit zu bringen, hat das System zu massiven Verzögerungen geführt. An vielen Flughäfen sind lange Schlangen entstanden, was dazu führte, dass Passagiere Flüge verpassten und der Flugverkehr erheblich beeinträchtigt wurde. Das System ist nicht in der Lage, das Reiseaufkommen in angemessener Zeit zu verarbeiten, und das bei Zeiten, wo die Airports mit normalen Passagiermengen konfrontiert sind.

Angesichts dieser Probleme haben viele europäische Behörden eine pragmatische Lösung gewählt: Sie schalten das EES System zeitweise ab. Dies ermöglicht zwar schnellere Abfertigungen, macht aber den eigentlichen Sicherheitszweck des Systems zunichte. Es ist eine Art Eingeständnis, dass das System in seiner aktuellen Form nicht funktioniert.

Dies ist ein klassisches Beispiel für die Schwierigkeiten bei der Einführung grosser technischer Systeme in komplexen Umgebungen. Das EES wurde ohne ausreichende Pilotphase oder realistische Kapazitätstests in den Produktivbetrieb gehen. Hätte man tatsächlich simuliert, wie das System unter echtem Flughafenverkehr läuft, wären die Probleme vorher sichtbar geworden.

Für Unternehmen und IT-Dienstleister ist dies eine wichtige Lernlektion. Die Einführung neuer Systeme, insbesondere solche mit hohem Sicherheitsauftrag, erfordert sorgfältige Planung, realistische Tests und graduelles Rollout. Ein «Big Bang»-Ansatz bei kritischen Infrastrukturen führt oft zu Desastern.

Die mittelfristige Frage ist, wie das EES überarbeitet wird, um tatsächlich zu funktionieren. Die EU wird sicherstellen müssen, dass die technische Infrastruktur mit dem Aufkommen umgehen kann, oder dass das System anders strukturiert wird, um schnellere Verarbeitungsraten zu erreichen.