Die Europäische Union bewegt sich konsequent voran bei der Regulierung von Künstlicher Intelligenz. Der sogenannte AI Act, ein umfassendes Regelwerk, das weltweit als Vorreiter gilt, wird in seinen Anforderungen schrittweise verstärkt. Ab dem 31. Juli 2026 treten weitere bedeutende Bestimmungen in Kraft, die vor allem Anbieter und Nutzer von KI-Systemen betreffen.
Der AI Act unterscheidet zwischen verschiedenen Risikoklassen von KI-Systemen. Während einige grundlegende Anforderungen bereits früher galtig wurden, treten mit der kommenden Frist zusätzliche Bestimmungen in Kraft, insbesondere für hochrisiko-KI-Systeme und bestimmte Anwendungsszenarien. Dies bedeutet, dass Unternehmen ihre KI-Systeme künftig detaillierter dokumentieren, Risikoanalysen durchführen und Sicherheitsmassnahmen implementieren müssen.
Der AI Act ist nicht nur für Unternehmen in der EU relevant. Auch Schweizer IT-Dienstleister, die mit europäischen Kunden arbeiten oder KI-Systeme einsetzen, müssen sich damit auseinandersetzen. Wer europäischen Kunden Software oder Services mit KI-Komponenten anbietet, muss sicherstellen, dass diese den neuen Anforderungen entsprechen. Das kann bedeuten, dass bestehende Systeme angepasst oder sogar komplett neu implementiert werden müssen.
Konkret könnten die neuen Anforderungen folgende Bereiche betreffen: Transparenzanforderungen, bei denen Nutzer verstehen müssen, dass sie mit KI interagieren; Datenschutz und Bias-Vermeidung, um sicherzustellen, dass KI-Systeme nicht diskriminierend wirken; sowie Nachweisbarkeit und Auditierbarkeit, um regulatorischen Kontrollen standzuhalten.
Für Schweizer Unternehmen stellt dies eine Herausforderung dar, aber auch eine Chance. Wer sich frühzeitig mit diesen Anforderungen auseinandersetzt, schafft sich einen Wettbewerbsvorteil. Unternehmen, deren KI-Systeme bereits konform sind, können schneller in europäische Märkte expandieren, während andere noch nachrüsten müssen.
Empfehlung für KMU: Analysieren Sie, welche KI-Systeme Sie bereits nutzen oder einplanen. Dokumentieren Sie deren Funktionsweise, Trainingsmethoden und potentielle Risiken. Überprüfen Sie Ihre Prozesse auf potentielle Diskriminierung und Transparenzlücken. Und planen Sie rechtzeitig, der Juli 2026 kommt schneller, als man denkt.
