Taiwan führte kürzlich eine beispiellose Krisenübung durch, bei der das mobile Internet für eine halbe Stunde bewusst deaktiviert wurde. Die Massnahme ist Teil der jährlichen Disaster-Recovery-Trainings des Landes, wurde aber diesmal erstmals auf digitale Infrastruktur ausgeweitet. Das Ziel ist es, die Resilienz gegen mögliche Cyberangriffe oder Sabotage an kritischen Netzwerk-Ressourcen zu testen.
Die Übung offenbarte, wie stark moderne Gesellschaften von mobiler Konnektivität abhängen. Während der halben Stunde konnten Bewohner nicht auf Telefonanrufe antworten, Online-Dienste sind unterbrochen, und digitale Zahlungssysteme funktionieren nur noch über alternative Kanäle. Dies bot wertvolle Erkenntnisse für Behörden und Betreiber kritischer Infrastruktur, um ihre Notfall- und Fallback-Systeme zu verbessern.
Das Szenario ist nicht theoretisch: In der Vergangenheit hatten Cyberattacken auf andere Länder bereits zu Netzwerkausfällen geführt. Ein gut koordinierter Angriff auf Taiwans Telecomunikations-Infrastruktur könnte erhebliche Folgen haben. Durch regelmässige Simulationen können Behörden und Telekommunikationsbetreiber ihre Reaktionsfähigkeit trainieren und kritische Lücken identifizieren, bevor ein echten Angriff stattfindet.
Die Erkenntnisse aus Taiwans Übung sind auch für andere Länder und private Unternehmen relevant. Viele Schweizer Firmen hängen stark von unterbrechungsfreiem Internet und mobilen Netzwerken ab. Eine ähnliche Simulation könnte aufzeigen, welche Geschäftsprozesse bei Internet- oder Mobilfunk-Ausfällen zum Stillstand kommen würden. KMU sollten sich fragen: Wie lange kann unser Betrieb ohne Netzwerkverbindung weiterarbeiten? Haben wir Ausweich-Verbindungen oder lokale Speichersysteme? Wie kommunizieren wir mit Kunden, wenn die digitalen Kanäle ausfallen? Regelmässige Resilienz-Tests helfen, diese Lücken zu füllen.
