Amazon hat eine neue Richtlinie für seine Streaming-Plattform Twitch eingeführt, die der KI-Branche entgegenkommt: Standardmässig dürfen Inhalte von Twitch-Streamern für das Training von Amazon-KI-Systemen verwendet werden. Streamer müssen sich aktiv abmelden, um ihre Inhalte zu schützen. Dies ist ein Opt-out-Modell statt Opt-in.

Dieses Modell ist kritisch zu sehen, da die Hürden für die Abmeldung höher liegen als für die Teilnahme. Viele Streamer werden das Opt-out übersehen oder nicht wissen, dass ihre Inhalte standardmässig für KI-Training herangezogen werden. Dies führt dazu, dass Amazon Zugriff auf eine massive Menge an Streaming-Daten erhält, die zur Verbesserung von KI-Modellen genutzt werden können.

Aus Amazons Perspektive ist dies wirtschaftlich sinnvoll. Grosse KI-Modelle benötigen riesige Mengen an qualitativ hochwertigen Trainingsdaten. Video-Inhalte von Twitch-Streamern sind hochwertig, reell und vielfältig. Mit dieser Richtlinie erhält Amazon Zugang zu Millionen von Stunden Videomaterial, ohne dafür zahlen zu müssen.

Aus ethischer und rechtlicher Sicht gibt es jedoch erhebliche Bedenken. Streamer haben ihre Inhalte kreiert, und es stellt sich die Frage, ob Amazon das Recht hat, diese für kommerzielle KI-Systeme zu nutzen, ohne explizite Einwilligung und Kompensation. Dies könnte langfristig zur Erosion von Creator-Rechten führen. Viele Streamer sind empört über diese Praxis und kritisieren Amazon scharf. Es bleibt abzuwarten, ob dies zu regulatorischen Massnahmen oder zur Anpassung der Richtlinien führt.