Das RCS-Protokoll (Rich Communication Services) ist in der mobilen Kommunikation lange Zeit als vielversprechender Standard gepriesen worden, konnte sich aber bislang nicht durchsetzen. Jetzt versucht Google, dem Format durch eine gezielte Geschäftsorientierung neues Leben einzuhauchen.
Google unternimmt aktuell eine Deutschlandtour, um Unternehmen für RCS als Geschäftskanal zu gewinnen. Der Fokus liegt dabei nicht auf dem privaten Messaging-Bereich, sondern auf dem B2B-Segment. Das bedeutet konkret: Firmen könnten RCS künftig nutzen, um mit ihren Kunden zu kommunizieren, ähnlich wie heute bereits WhatsApp Business oder andere spezialisierte Kanäle genutzt werden.
Der technische Hintergrund ist relevant: RCS bietet gegenüber klassischen SMS einige Vorteile. Die Technologie ermöglicht Rich-Media-Inhalte, also etwa Bilder, Videos und interaktive Elemente direkt in der Nachricht, ohne dass separate Apps nötig sind. Sie läuft über das Mobilfunknetz und nicht über IP wie Messenger-Dienste. Für Unternehmen könnte das bedeuten, dass sie Kunden auf zuverlässigen Kanälen erreichen, die auf jedem modernen Smartphone funktionieren.
Für den deutschsprachigen Mittelstand ist dies ein interessanter Entwicklungstrend. Viele KMU suchen nach Alternativen zu den grossen Plattformen und nach direkteren Kommunikationswegen zu ihren Kunden. Ein standardisiertes Protokoll wie RCS, das von Google unterstützt wird, könnte in diesem Kontext attraktiv wirken, insbesondere wenn es einfach zu integrieren ist und keine neuen Abhängigkeiten von einzelnen App-Anbietern schafft.
Die Chancen liegen vor allem in der Flächendeckung: Da RCS nativ im Mobilfunknetz läuft und von den meisten modernen Smartphones unterstützt wird, entfallen Hürden wie der Zwang, dass Kunden eine spezifische App installieren müssen. Das könnte RCS als Geschäftskanal für kleinere und mittlere Unternehmen attraktiver machen als heute noch verbreitete proprietäre Lösungen.
