Bisher stellten Nutzer und Organisationen bei der gemeinsamen Arbeit an Dokumenten in der Cloud eine schwierige Wahl: Entweder man nutzt komfortable Collaboration-Tools wie Google Docs oder Microsoft Word Online, muss dann aber dem Anbieter Einsicht in die Inhalte gewähren. Oder man arbeitet mit lokal gespeicherten, verschlüsselten Dateien, verliert aber die Echtzeit-Zusammenarbeit.

Ein Forschungsteam hat sich dieser Problematik angenommen und arbeitet an einem technischen Konzept, das beide Welten verbinden soll. Die Idee ist, kollaborative Bearbeitung möglich zu machen, während gleichzeitig Ende-zu-Ende-Verschlüsselung gewährleistet ist. Der Ansatz nutzt Signal, eine bewährte und vertrauenswürdige Verschlüsselungs-Plattform, als technische Grundlage.

Die Herausforderung besteht darin, dass verschlüsselte Daten normalerweise nicht einfach von mehreren Nutzern gleichzeitig bearbeitet werden können. Das System müsste komplexe Synchronisationsmechanismen implementieren, um Konflikte zu lösen und Änderungen korrekt zusammenzuführen. Das Forschungsteam arbeitet an genau diesen Problemen.

Für Organisationen mit hohem Datenschutzanspruch könnte dies ein Durchbruch sein. Besonders im europäischen Kontext, wo Datenschutzvorgaben wie die DSGVO streng sind, ist der Wunsch nach sicherer Collaboration berechtigt. Anwälte, Berater, Journalist oder Organisationen mit sensiblen Informationen könnten von solchen Lösungen stark profitieren.

Für KMUs mit sensiblen Daten ist dies vielversprechend. Derzeit muss oft zwischen Sicherheit und Usability abgewogen werden. Ein funktionierendes System mit verschlüsselter Echtzeit-Kollaboration würde viele Organisationen von diesem Dilemma befreien. Allerdings ist zu betonen, dass es sich hier noch um ein Forschungsprojekt handelt. Bis zur praktischen Verfügbarkeit dürfte noch Zeit vergehen.