Ein Forscherteam des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) hat eine verstörende Sicherheitslücke aufgedeckt: Mit Hilfe unverschlüsselter WLAN-Signale können Personen identifiziert werden, ohne dass sie das Netzwerk aktiv nutzen. Ein handelsüblicher Router ist alles, was ein potenzieller Angreifer benötigt.

Das Verfahren funktioniert, indem es die einzigartigen Muster analysiert, die WLAN-Signale erzeugen, wenn sie um menschliche Körper herumgelenkt werden. Jede Person erzeugt durch ihre körperliche Präsenz ein charakteristisches Muster in der WLAN-Ausbreitung, das Algorithmen lernen können zu erkennen. Dies ähnelt der Radarerkennung, funktioniert aber auf Basis von WLAN-Infrastruktur, die bereits in fast jedem Büro und vielen Privathaushalten vorhanden ist.

Die praktischen Implikationen sind besorgniserregend: Ein Angreifer könnte theoretisch ohne jeglichen Zugriff auf das WLAN-Netzwerk selbst nachvollziehen, wer sich in einem Büro oder einer Wohnung aufhält. Diese Technologie könnte zu Überwachungszwecken missbraucht werden, um Bewegungsmuster zu analysieren oder Menschen zu identifizieren, ohne dass diese es bemerken.

Für Unternehmen und Organisationen sind die Sicherheitsimplikationen erheblich. Besonders in sensiblen Bereichen wie Serverräumen, Entwicklungslaboren oder Geschäftsbüros könnte diese Technologie zu unerwünschter Überwachung führen. IT-Dienstleister sollten ihre Kunden auf diese Bedrohung hinweisen und entsprechende Gegenmassnahmen empfehlen. Dies könnte Massnahmen wie die Deaktivierung von WLAN in sensiblen Bereichen, die Verwendung von abgeschirmten Räumen oder zusätzliche physische Sicherheitsmechanismen umfassen. Die Entdeckung unterstreicht, dass Datenschutz und Privatsphäre auch auf Ebenen bedroht sein können, die bislang nicht im Fokus standen.