Staaten und Behörden sind zunehmend daran interessiert, ihre IT-Infrastruktur unabhängiger von einzelnen Konzernen zu gestalten. Das Konzept der «digitalen Souveränität» ist zentral: Wenn eine Regierung ihre kritische IT-Infrastruktur auf proprietäre Systeme von US-amerikanischen oder anderen ausländischen Anbietern angewiesen ist, hat sie wenig Kontrolle über ihre eigenen Systeme und muss Vertrauen in externe Organisationen setzen.
openDesk ist ein Projekt, das diesem Gedanken Rechnung trägt. Es ist eine Office-Suite, die auf Open-Source-Technologie basiert und speziell für deutsche Behörden entwickelt wurde. Das Ziel ist ambitioniert: Behörden sollten mit OpenOffice-ähnlicher Funktionalität arbeiten können, ohne auf Microsoft Office angewiesen zu sein.
In der Theorie ein ausgezeichnetes Konzept. In der Praxis zeigen sich jedoch erhebliche Herausforderungen. Die eigenständige Betreibung einer solchen Suite erfordert mehr technische Expertise und IT-Personal als es vielen Behörden zur Verfügung steht. Während proprietäre Lösungen wie Microsoft Office von den Anbietern betreut und regelmässig aktualisiert werden, muss openDesk eigenständig gewartet, gehärtet und sicherheitsgeprüft werden. Dies erfordert ein engagiertes und erfahrenes Platform-Team innerhalb der Behörde.
Das bedeutet nicht, dass das Projekt gescheitert ist, sondern eher, dass der Aufwand für echte Souveränität erheblich ist. Grössere Behördenstrukturen und Bundesthemen könnten ausreichend Ressourcen für ein Plattformteam aufbringen. Kleinere Behörden hingegen könnten sich trotz des guten Willens nicht angemessen um das System kümmern können.
Diese Dynamik ist auch für KMU-Unternehmen relevant. Sie zeigt, dass Open-Source-Lösungen zwar kostenfreie Software bieten, aber operationaler Support und Wartung Ressourcen erfordert. Kleine Unternehmen, die unabhängige Infrastruktur mögen, müssen abwägen zwischen Kostenersparnis und notwendiger interner Expertise. Eine Hybrid-Strategie, bei der man Open-Source nutzt, aber professionelle Support-Verträge abschliesst, ist oft der praktikable Weg.
