Ein US-amerikanisches Berufungsgericht hat einen wichtigen Beschluss gefällt, der Tausende eingereichte Klagen gegen grosse Internetkonzerne für zulässig befunden hat. Die Klagen werfen Meta, TikTok, Google und anderen Plattformen vor, ihre Dienste absichtlich so zu gestalten, dass sie besonders für Jugendliche suchtfördernd wirken.

Bislang hatten diese Unternehmen sich auf Section 230 des US Communications Decency Act berufen, der ihnen in vielen Fällen Immunität vor Haftung gewährte. Das Berufungsgericht hat diese Immunität in diesem Fall abgelehnt und entschieden, dass die Klagen verhandelt werden dürfen.

Das Gericht argumentiert, dass die Vorwürfe nicht primär gegen den Inhalt der Plattformen gerichtet sind (was unter Section 230 geschützt wäre), sondern gegen die bewusste Plattformdesign-Strategie, die psychologische Suchtmechanismen nutzt. Dies ist eine relevante Unterscheidung, da sie der Design-Verantwortung der Plattformen grösser Gewicht verleiht.

Für IT- und Digital-Dienstleister sind diese Entwicklungen relevant, da sie zeigen, dass Regulierungsbehörden zunehmend die Verantwortung von Tech-Unternehmen für die Auswirkungen ihrer Designs hinterfragen. Dies könnte langfristig zu stärkeren Regulierungen und neuen ethischen Standards in der Softwareentwicklung führen. Unternehmen sollten sich bewusst machen, dass Produktdesign-Entscheidungen, die bewusst suchtfördernd wirken, zunehmend rechtlichen Konsequenzen ausgesetzt sind. Dies ist besonders wichtig für Anwendungen, die auf Jugendliche abzielen.