Eine aktuelle Umfrage des ifo-Instituts deckt eine bedenkliche Diskrepanz auf: Zwar geben viele deutsche Unternehmen zu, dass ihre Abhängigkeit von US-amerikanischen Softwarelösungen, Cloud-Diensten und anderen digitalen Infrastrukturen ein erhebliches Geschäftsrisiko darstellt. Dennoch unternehmen die wenigsten konkrete Massnahmen, um diese Abhängigkeit zu verringern oder zu diversifizieren.

Die Gründe sind vielfältig. Zum einen dominieren US-Anbieter Märkte wie Cloud-Computing, Enterprise-Software und KI-Tools mit enormem Marktanteil. Ein Wechsel ist kosten- und arbeitsintensiv. Zum anderen fehlt es oft an finanziellen Mitteln, Zeit und technischem Know-How für Migration zu europäischen Alternativen. Manchen Unternehmen ist das Thema nicht prioritär genug, um es aktiv zu adressieren.

Dieser Zustand ist problematisch aus mehreren Gründen. Erstens schafft technologische Abhängigkeit wirtschaftliche Verwundbarkeit: Sanktionen, Datenausfuhrbeschränkungen oder politische Konflikte können den Geschäftsbetrieb unmittelbar unterbrechen. Zweitens verlieren europäische und insbesondere deutsche Unternehmen langfristig Autonomie in kritischen Technologiebereichen. Drittens fehlt der lokalen Wirtschaft die Chance, eigene Alternativen aufzubauen.

Die EU fördert deshalb aktiv die Entwicklung europäischer Cloud-Infrastrukturen und Softwarelösungen, um die digitale Souveränität zu stärken. Für KMU-Kunden in der Schweiz und Deutschland ist die Botschaft klar: Eine technologische Diversifizierung ist strategisch wertvoll. IT-Dienstleister sollten ihren Kunden helfen, ihre Abhängigkeiten zu mappern und auf lange Sicht gangbare Alternativen zu evaluieren. Nicht jeder Wechsel ist sofort machbar, doch die Planung sollte beginnen. Digitale Unabhängigkeit ist ein Wettbewerbsvorteil.