Der Krieg in der Ukraine findet nicht nur auf dem Schlachtfeld statt, sondern auch im digitalen Raum. Neuere Erkenntnisse zeigen, dass russische Militär und Geheimdienste ihre Waffen nicht nur gegen Kraftwerke, Wasser- und Gasversorgung richten, sondern auch gezielt Rechenzentren und Internetdienstleister attackieren.
Diese Angriffe auf die digitale Infrastruktur sind strategisch besonders wertvoll für einen Angreifer. Rechenzentren sind das Rückgrat der modernen Wirtschaft und Verwaltung. Sie hosten Regierungsdatenbanken, Bankensysteme, E-Commerce-Plattformen, Cloud-Dienste und vieles mehr. Wenn diese ausfallen, paralysiert dies nicht nur einzelne Dienste, sondern kann ein ganzes Land lahmlegen.
Internetdienstleister sind ähnlich kritisch. Sie sind die Transporteure aller digitalen Kommunikation. Werden ihre Netze beschädigt, verlieren Menschen den Zugang zu Information, Kommunikation und digitalen Diensten. Im Kontext eines aktiven Konflikts bedeutet dies auch, dass Zivilisten und militärische Koordination behindert werden.
Russlands Strategie scheint zu sein, die Ukraine nicht nur militärisch zu besiegen, sondern auch wirtschaftlich und administrativ lahmzulegen, indem die moderne digitale Infrastruktur zerstört wird. Dies wird manchmal als Angriff auf die "digitale Seele" eines Landes bezeichnet. Während traditionelle kritische Infrastruktur wie Stromnetze oft als militärische Ziele akzeptiert werden, ist der Fokus auf kommerzielle Rechenzentren und breitere Internetinfrastruktur besonders destruktiv für die Zivilbevölkerung.
Für europäische Dienstleister und Unternehmen ist dies relevant, weil es zeigt, wie anfällig vernetzte kritische Infrastruktur ist. Es unterstreicht die Notwendigkeit von Cyber-Resilience, Redundanzen und Notfallplanung. Unternehmen sollten ihre eigenen Rechenzentren und Internetverbindungen absichern und Ausfallpläne entwickeln, falls diese angegriffen oder beschädigt werden.
