Die medizintechnische Industrie steht vor wachsenden Herausforderungen im Bereich Cybersecurity. Während Medizinprodukte immer stärker vernetzt werden und datengetriebene Funktionen erhalten, wächst parallel auch das Risiko von Sicherheitslücken und gezielten Angriffen. Ein Experte der Branche warnt vor einer weit verbreiteten Unterschätzung dieser Herausforderung.

Ein zentrales Problem liegt in der Software-Lieferkette. Medizinprodukte integrieren oft Komponenten von Drittanbietern, open-source-Bibliotheken und externe Dienste. Jede dieser Schichten kann potenzielle Sicherheitslücken einführen. Hersteller müssen alle diese Abhängigkeiten überblicken, regelmässig auf Schwachstellen prüfen und schnelle Patches einspielen können. Das erfordert erhebliche organisatorische und technische Ressourcen, die viele Unternehmen unterschätzen.

Ein weiterer kritischer Aspekt betrifft Altgeräte. Viele ältere Medizinprodukte erhalten keine Sicherheitsupdates mehr, weil die Hersteller die Unterstützung eingestellt haben. Dennoch verbleiben diese Geräte oft lange in Krankenhäusern und Praxen im Einsatz. Dies erzeugt ein erhebliches Sicherheitsrisiko, da bekannte Schwachstellen ausgenutzt werden könnten.

Für Kliniken und Praxen bedeutet dies, dass sie beim Kauf von Medizinprodukten Cybersecurity stärker berücksichtigen sollten. Sie sollten von Herstellern verlangen, dass diese über etablierte Prozesse zur Schwachstellenverwaltung verfügen und über einen definierten Supportzeitraum garantieren, Sicherheitsupdates bereitzustellen. Eine Bestandsaufnahme älterer Geräte und eine Strategie zum Umgang damit ist ebenfalls notwendig. Die Zusammenarbeit zwischen Herstellern, Kliniken und IT-Sicherheitsexperten wird zu einem wesentlichen Erfolgsfaktor für die Sicherheit von Patientendaten und Medizingeräten.