Erstmals hat die Europäische Kommission ein KI-System unter die schärfsten Bestimmungen des Digital Services Act (DSA) aufgenommen. ChatGPT, das KI-Sprachmodell von OpenAI, wurde als „besonders grosse Online-Plattform" klassifiziert und wird fortan wie etablierte grosse Plattformen behandelt, darunter auch Roblox und Reddit.

Diese Einstufung ist ein Meilenstein in der europäischen Digitalregulierung. Sie anerkennt die wachsende Bedeutung von generativen KI-Systemen im Digitalökosystem und ihre potentiellen Auswirkungen auf Millionen Nutzer. Unter den DSA-Regeln für „besonders grosse" Plattformen gelten für ChatGPT nunmehr höhere Anforderungen an Transparenz, Risikomanagement und Nutzersicherheit.

OpenAI muss künftig detaillierte Verfahren zur Eindämmung illegaler Inhalte implementieren, systematische Risiken identifizieren und regelmässig Reports einreichen. Zudem sind erweiterte Massnahmen zur Bekämpfung von Desinformation und zum Schutz von Kindern sowie minderjährigen Nutzern erforderlich. Die Kommission wird umfangreiche Überwachungs- und Durchsetzungsbefugnisse haben.

Für Unternehmen und IT-Dienstleister bedeutet diese Entwicklung, dass sie bei der Integration von ChatGPT und ähnlichen KI-Tools in ihre Geschäftsprozesse verstärkt regulatorische Anforderungen beachten müssen. Insbesondere KMU, die ChatGPT für Kundeninteraktion, Dokumentenverarbeitung oder automatisierte Dienste einsetzen, sollten sich mit den neuen Compliance-Pflichten vertraut machen. Dies umfasst auch die Dokumentation von KI-Einsatz, Datenschutzaspekte und Haftungsfragen.

Die Einstufung signalisiert einen Trend hin zu strengerer KI-Regulierung in der EU. Weitere grosse KI-Systeme könnten folgen. Für die europäische Digitalwirtschaft bedeutet dies mehr Compliance-Aufwand, aber auch klarer definierte Spielregeln beim Umgang mit generativer KI.