Eine gross angelegte Cyberattacke auf Berliner Behörden hat erhebliche Aufmerksamkeit erregt und wird von Sicherheitsexperten intensiv analysiert. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) konnte nun erstmals den genauen Angriffsablauf dokumentieren und so ein detailliertes Bild der Vorgehensweise der Angreifer zeichnen.

Der Angriff folgte einem klassischen, aber effektiven Muster. Zunächst versendeten Cyberkriminelle Phishing-Mails an Behördenmitarbeiter. Diese E-Mails waren geschickt präpariert und sollten Empfänger dazu bewegen, auf Links zu klicken oder Dateien zu öffnen. Viele Arbeitnehmer fielen darauf herein, da die Mails täuschend echt wirkten und oft aus vermeintlich vertrauenswürdigen Quellen zu stammen schienen.

Der nächste Schritt der Angreifer war besonders raffiniert: Sie präsentierten den Opfern Fake-Captchas, also gefälschte Sicherheitsabfragen. Diese sehen auf den ersten Blick authentisch aus und sind darauf ausgelegt, Nutzer dazu zu bringen, ihre Anmeldedaten einzugeben oder weitere Schritte durchzuführen. Dies ermöglichte den Angreifern, Zugangsdaten zu erbeuten.

Mit diesen gestohlenen Anmeldeinformationen verschafften sich die Cyberkriminellen dann Zugang zu den Behördensystemen. Von dort aus führten sie Terminal-Befehle aus, um tiefer in die Infrastruktur eindringen zu können. Diese Befehle ermöglichten ihnen, sich dauerhaft festzusetzen und weitere schädliche Aktionen durchzuführen.

Die Analyse zeigt, dass dieser Angriffsablauf weit verbreitet ist und nicht auf spezialisierte Zero-Day-Exploits angewiesen war. Für KMU ist dies eine wichtige Lektion: Menschliche Faktoren wie Phishing-Anfälligkeit bleiben die grösste Schwachstelle. Regelmässige Mitarbeiterschulungen zu Phishing-Erkennung, Zwei-Faktor-Authentifizierung und die strikte Kontrolle von Benutzerrechten können solche Angriffe deutlich erschweren.