Nach mehr als zwei Jahrzehnten schliesst Amazon seinen Dienst "Mechanical Turk" (oft als "MTurk" bezeichnet). Der Dienst ermöglichte es Organisationen, einfache und wiederholbare Aufgaben an eine verteilte Arbeitskraft auszulagern. Typischerweise zahlte man Menschen kleine Beträge, um beispielsweise Fotos zu klassifizieren, Texte zu bewerten, Umfragen zu beantworten oder Daten zu validieren.

Mechanical Turk war lange Zeit eine unverzichtbare Infrastruktur für Forschung und KI-Training. Viele Universitäten und KI-Unternehmen nutzten die Plattform, um Trainingsdaten zu sammeln und zu annotieren. Ohne solche Mittel wäre es unmöglich gewesen, die grossen Datenmengen zu beschaffen, die moderne KI-Modelle benötigen.

Doch der Dienst geriet zunehmend in Kritik. Arbeitsrechtler und Aktivisten wiesen darauf hin, dass Worker oft unfair bezahlt wurden, häufig deutlich unter dem Mindestlohn für die Zeit, die sie aufwendeten. Es gab Berichte über unverschämte Bezahlung und schlechte Arbeitsbedingungen. Mit dem Aufstieg von KI ist auch die Nachfrage nach menschlichen Annotationen eher gewachsen als gesunken, was den Druck auf die Arbeitsbedingungen verstärkte.

Amazons Entscheidung, den Dienst zu schliessen, könnte mehrere Gründe haben. Möglicherweise möchte das Unternehmen sich reputativ distanzieren von kritischen Diskussionen über digitale Ausbeutung. Gleichzeitig haben sich Alternativen etabliert: Spezialisierte Daten-Annotation-Unternehmen und KI-Trainingsdienste haben eigene Plattformen aufgebaut.

Für Unternehmen, die auf Daten-Annotation angewiesen sind, bedeutet dies eine wichtige Umstrukturierung. Sie müssen sich nach Alternativen umsehen. Gleichzeitig könnte dies ein positives Signal für fairer bezahlte und besser regulierte Daten-Annotation-Services sein. Für KMU, die mit KI-Projekten arbeiten und Trainings- oder Validierungsdaten benötigen, ist dies eine wichtige Veränderung der verfügbaren Infrastruktur.