Die Abhängigkeit von amerikanischen Cloud- und IT-Anbietern wird für Unternehmen weltweit zu einem geopolitischen Risikofaktor. Eine aktuelle Umfrage dokumentiert dieses Unbehagen eindrucksvoll: Fast drei Viertel der befragten Unternehmensverantwortlichen fürchten, dass US-Behörden künftig Druck auf amerikanische IT-Anbieter ausüben könnten, um deren Dienste selektiv zu sperren oder zu drosseln.
Das Szenario ist nicht rein spekulativ. Historisch haben die USA bereits Sanktionsmechanismen gegen Unternehmen und Länder eingesetzt, die den strategischen Interessen widersprachen. Im digitalen Kontext könnte dies bedeuten: Ein Anbieter wie AWS, Microsoft Azure oder Google Cloud könnte durch behördliche Anordnung gezwungen werden, den Zugriff auf Daten oder Dienste für bestimmte Länder, Branchen oder sogar einzelne Unternehmen zu sperren.
Für europäische und schweizer Betriebe wäre dies existenziell problematisch. Wer seine Geschäftsdaten und Systeme auf US-Cloud-Infrastruktur betreibt, ist potenziell diesen Risiken ausgesetzt. In Szenarien von geopolitischen Spannungen oder neuer Sanktionsloge könnte ein «Kill-Switch» gravierende geschäftliche Ausfälle bedeuten.
Diese Sorgen treiben die Nachfrage nach europäischen und nationalen Cloud- und IT-Alternativen. Länder wie Frankreich und Deutschland fördern gezielt europäische Cloud-Anbieter. Auch die Schweiz wird in diesem Kontext relevanter als Standort für Datenverarbeitung und IT-Infrastruktur, falls Schweizer oder europäische Betriebe zur Reduktion von USA-Abhängigkeit tendieren.
Für KMU ist die praktische Botschaft klar: Es lohnt sich, bei kritischen Systemen eine geografische und jurisdiktionelle Diversifikation zu prüfen. Das muss nicht bedeuten, US-Anbieter komplett zu meiden, aber die Aufteilung von Workloads auf mehrere Regionen und Anbieter reduziert das Risiko.
