Eine internationale Sicherheitswarnung des Auswärtigen Amts deckt ein wachsendes Phänomen auf: Nordkoreanische IT-Fachkräfte infiltrieren gezielt westliche Unternehmen und arbeiten unter Tarnidentitäten für Softwareentwicklung und andere technische Rollen. Diese Praktiken stellen eine bedeutende Bedrohung für Unternehmenssicherheit und nationale Infrastrukturen dar.
Das Geschäftsmodell funktioniert typischerweise nach folgendem Muster: Fachleute aus Nordkorea nutzen gefälschte Dokumente, ausgeliehene oder gekaufte Identitäten sowie Vermittler im Ausland, um legitim erscheinende Stellen in internationalen Tech-Unternehmen zu erhalten. Sie arbeiten häufig aus dem Home Office oder von Zweitstandorten, was ihre Verdeckung begünstigt. Die erwirtschafteten Einkünfte fliessen zurück in das nordkoreanische Regime, das damit Sanktionen umgeht und seine Devisen-Einnahmen diversifiziert.
Aus der Perspektive betroffener Unternehmen sind die Risiken erheblich. Beschäftigte mit Zugriff auf Quellcode, Entwicklungsprozesse oder Unternehmensnetze könnten Informationen abzweigen, Backdoors einbauen oder Malware einschleusen. Hinzu kommt ein grosses Compliance-Risiko: Die Zusammenarbeit mit nordkoreanischen Staatsbürgern verstösst gegen internationale Sanktionsregelungen und kann zu erheblichen Strafen führen.
Für Schweizer KMU ist diese Warnung besonders relevant, wenn sie Entwicklerteams international rekrutieren oder mit Freelancern und Outsourcing-Partnern arbeiten. Die typischen Due-Diligence-Prozesse bei der Personalauswahl müssen verschärft werden. Unternehmen sollten Hintergrundprüfungen intensivieren, physische Treffen einfordern, Referenzen gründlich überprüfen und verdächtige Verhältnisse, etwa ungewöhnliche Zeitzonen oder häufig wechselnde Kontaktdaten, ernst nehmen.
Zusätzlich empfiehlt sich eine Überprüfung bestehender Entwickler und Dienstleister sowie die Implementierung von Zugriffsbeschränkungen auf sensible Code-Repositorien und Firmennetzwerke. Manche Branchen mit regulatorischen Anforderungen (Finanzsektor, Kritische Infrastrukturen) müssen ohnehin verstärkte Kontrollmassnahmen treffen.
