Die rasante Entwicklung von KI-Bildgeneratoren wie Stable Diffusion oder Midjourney wirft grundlegende Fragen zur Verwendung von urheberrechtlich geschütztem Material auf. Im Zentrum der Debatte steht das Projekt Laion, das massive Datensätze sammelt und zur Verfügung stellt, um KI-Modelle zu trainieren. Diese Datensätze enthalten Millionen von Bildern aus dem Internet, oft ohne explizite Zustimmung der Urheber.

Das kernproblem ist einfach formuliert: Um hochwertige Bildgeneratoren zu trainieren, benötigen Entwickler riesige Mengen an Trainingsdaten. Im Fall von Laion wurden diese Daten weitgehend automatisiert aus dem Internet gesammelt, einschliesslich urheberrechtlich geschützter Fotografien, Illustrationen und anderer kreativer Werke. Die Urheber dieser Werke haben in den meisten Fällen keine Einwilligung gegeben und erhalten auch keine Kompensation.

Fotografen und bildende Künstler wehren sich zunehmend gegen diese Praxis. Sie argumentieren, dass ihre kreative Arbeit ohne ihre Erlaubnis und ohne Vergütung verwendet wird, um Systeme zu trainieren, die direkt mit ihnen konkurrieren. Ein Fotograf könnte potenziell durch eine KI ersetzt werden, die mit seinen eigenen Werken trainiert wurde.

Rechtlich ist die Situation komplex. In den USA wird mit dem Konzept des «Fair Use» argumentiert, das bestimmte Formen der Nachnutzung erlaubt. In Europa hingegen gibt es strengere Regeln. Die Europäische Union hat mit dem Künstliche-Intelligenz-Gesetz (AI Act) begonnen, solche Szenarien zu regulieren.

Praktisch gibt es verschiedene Lösungsansätze: Opt-out-Systeme, bei denen Künstler ihre Werke aus KI-Trainingsdatensätzen ausschliessen können; Lizenzsysteme, die kompensieren; oder technische Markierungen wie Digital-Rights-Management. Laion selbst bietet bereits eine Opt-out-Funktion an, doch diese ist wenig bekannt.

Für Schweizer Unternehmen, die mit KI arbeiten oder KI-Services nutzen, ist dies relevant. Sie sollten verstehen, wie ihre KI-Tools trainiert wurden und ob rechtliche Risiken entstehen könnten, wenn sie KI-generierte Inhalte kommerziell nutzen. Auch die Compliance mit europäischen Regelungen wird zunehmend wichtig.