In der Debatte zwischen technologischer Innovation und Regulierung haben sich wieder unterschiedliche Positionen kristallisiert. Roland Busch, Konzernchef von Siemens, äussert sich kritisch zur geplanten KI-Regulierung der Europäischen Union.
Busch betont zunächst seine Überzeugung von den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Chancen der Künstlichen Intelligenz. Sie könne Produktivität erhöhen, Effizienz verbessern und neue Geschäftsmodelle ermöglichen. Aus Sicht eines Industriekonzerns wie Siemens, der KI in Fertigungsprozessen, intelligenten Gebäudesystemen und Automatisierung einsetzt, ist diese Optimismus verständlich.
Gleichzeitig kritisiert Busch die zunehmenden regulatorischen Anforderungen, die aus Brüssel kommen. Der zentrale Kritikpunkt: Zu viele und zu starre Vorgaben könnten Innovation hemmen und europäische Unternehmen im globalen Wettbewerb benachteiligen. Die EU könnte mit USA und China nicht Schritt halten, wenn Hürden zu hoch sind.
Die Position ist nicht neu. Tech-Unternehmen argumentieren regelmässig, dass Innovation Flexibilität braucht. Kritiker wiederum warnen vor unkontrollierter KI-Nutzung mit Risiken für Sicherheit, Diskriminierung und Datenschutz. Besonders das geplante AI Act der EU zielt darauf, diese Risiken zu minimieren, erhöht aber auch die Compliance-Anforderungen für Anbieter.
Für KMU-IT-Dienstleister ist diese Debatte wichtig: Die Regulierung wird kommen. Statt auf Verzicht zu hoffen, sollten Unternehmen sich proaktiv mit Compliance auseinandersetzen. Ein durchdachtes Governance-Modell für KI-Projekte, Transparenz und Nachvollziehbarkeit sind nicht nur rechtlich sinnvoll, sondern auch geschäftlich vorteilhaft. Kunden vertrauen Dienstleistern mehr, die Verantwortung beim KI-Einsatz ernst nehmen. Der europäische Weg zur „vertrauenswürdigen KI" kann auch ein Wettbewerbsvorteil sein.
