Während Weltraum-Technologien und Satelliteninternet zunehmend Realität werden, hat Google eine nüchterne Einschätzung zum Potential von Rechenzentren im All gegeben. Trotz erheblicher technologischer Fortschritte und eigener Investitionen in Satelliten-Hardware dürfte es bis weit nach 2035 dauern, bis Weltraum-Rechenzentren wirtschaftlich mit irdischen Installationen konkurrieren können.
Die Herausforderungen sind vielfältig. Der Transport von Hardware ins All ist teuer. Die SpaceX Falcon 9 kostet etwa 60 Millionen Dollar pro Start, und auch wenn Elon Musk die Preise senken will, bleibt dies eine erhebliche finanzielle Hürde für grosse Datenmengen. Hinzu kommt, dass Satelliten eine begrenzte Lebensdauer haben, typischerweise fünf bis 15 Jahre, woraufhin sie wieder zur Erde gebracht oder kontrolliert zum Absturz gebracht werden müssen.
Die Infrastruktur und der Betrieb sind ebenfalls komplexer als auf der Erde. Wartung ist praktisch unmöglich, wenn es sich um Sicherheits- oder Hardwarefehler handelt. Die Kühlung im Vakuum ist anders als auf der Erde und erfordert spezialisierte Techniken. Stromversorgung ist limitiert und von Solaranlagen abhängig, was zu Aussetzern führt. Telekommunikation mit grösseren Latenzzeiten in bestimmten Konstellationen ist ein Problem für Echtzeit-Anwendungen.
Auf der positiven Seite hätte ein Weltraum-Rechenzentrum theoretische Vorteile: unbegrenzte "Platzfläche" für Expansion, keine lokalen Energieengpässe (sofern sie behoben werden), potenzial für bessere Stromversorgung durch Solarenergie ohne atmosphärische Dämpfung. Doch diese Vorteile reichen heute noch nicht aus, um die enormen Kostenbarrieren zu rechtfertigen.
Für Unternehmen und Organisationen bedeutet dies, dass Cloud-Infrastruktur weiterhin irdisch basiert sein wird. Investitionen in Cloud-Strategien sollten sich auf bestehende und verbesserte terrestrische Rechenzentren konzentrieren, nicht auf futuristische Weltraum-Szenarien. Google selbst wird dieser Einsicht folgend weiterhin Milliarden in irdische Rechenzentren investieren, die effizienter, zuverlässiger und wirtschaftlicher sind. Für KMU, die ihre Cloud-Strategie planen, ist dies beruhigend: Die bewährte Infrastruktur wird nicht bald durch exotische Alternativen ersetzt.
