Doctolib, eine der führenden Online-Arzttermin-Plattformen in Europa, plant eine Neuerung, die Datenschutz- und KI-Fragen miteinander verbindet. Das Unternehmen will künftig Gesundheitsdaten seiner Nutzer für das Training von künstlichen Intelligenz-Modellen verwenden. Dies geschieht in Frankreich zunächst auf Basis eines Opt-out-Modells, bei dem Nutzer aktiv widersprechen können.
Doctolib sammelt durch seine Plattform eine enorme Menge an Daten über ärztliche Behandlungen, Symptome und medizinische Befunde. Diese Daten könnten für die Entwicklung von KI-Modellen wertvoll sein, die beispielsweise Ärzte bei Diagnosen unterstützen oder Patienten bei Selbstbehandlung helfen. Für Doctolib könnte dies ein bedeutender wirtschaftlicher Wert sein.
Die Vorstellung, dass ein Privatunternehmen mit sensiblen Gesundheitsdaten KI trainiert, weckt jedoch nachvollziehbare Bedenken. Gesundheitsdaten sind besonders sensibel, da sie sehr persönliche Informationen enthalten und missbraucht werden könnten. Ein Opt-out-Modell bedeutet, dass Daten standardmässig verwendet werden, es sei denn, der Nutzer lehnt aktiv ab. Dies ist weniger stringent als ein Opt-in-Modell, bei dem ausdrückliche Zustimmung erforderlich wäre.
In der Europäischen Union und besonders in Deutschland sind die Regeln rund um Gesundheitsdaten streng. Die DSGVO und spezialisierte Datenschutzgesetze bieten hohe Schutzstufen. Ein Opt-out-Modell könnte in Deutschland rechtlich fragwürdig sein, insbesondere wenn es um die Verarbeitung sensibler Gesundheitsdaten für KI-Training geht. Datenschützer würden wahrscheinlich ein Opt-in-Modell fordern.
Dennoch zeigt Doctolibs Schritt, dass die Grenzen zwischen Gesundheitsdaten, Forschung und KI zunehmend verschwimmen. Dies ist sowohl eine Chance als auch eine Herausforderung. Die Chance liegt in besseren medizinischen Tools. Die Herausforderung liegt im Schutz der Privatssphäre und in Fragen der Fairness: Wer profitiert von der KI, die mit den Daten trainiert wird?
