Die digitale Souveränität Europas ist ein wichtiges strategisches Ziel. Die Europäische Union möchte weniger abhängig von amerikanischen Technologiekonzernen sein und eigene, europäische Alternativen aufbauen. Ein zentrales Dokument dieser Strategie ist das geplante Gesetz CADA (Cyber-Diplomacy Act oder ähnlich).

Das Gesetz sieht vor, dass europäische Behörden, besonders im Verteidigungssektor, die Nutzung von US-amerikanischen Technologien reduzieren oder ausschliessen sollen. Die Idee: Europa entwickelt eigene sichere Systeme und wird damit weniger anfällig für Spionage oder technische Abhängigkeit.

Jedoch warnen jetzt Verteidigungsbeamte und Rüstungskonzerne vor unbeabsichtigten Folgen. Ihr Argument: Ein zu schneller und radikaler Ausschluss von US-Technologie könne zu Sicherheitslücken führen. Der Grund liegt darin, dass bewährte, gut getestete US-Systeme teils durch weniger erprobte europäische Alternativen ersetzt würden. Dies könne die Cyberabwehr schwächen, nicht stärken.

Zudem gibt es ein Timing-Problem. Die europäische Industrie braucht Zeit, um echte Alternativen zu entwickeln. Wenn diese Zeit nicht vorhanden ist, bleibt oft nur die Wahl zwischen schlecht funktionierender eigener oder eingeschränkter US-Technologie, nicht zwischen echten Optionen.

Das Dilemma ist real: Digitale Souveränität ist wichtig, aber sie muss mit realistischen Sicherheitsanforderungen abgewogen werden. Für KMU und grössere Unternehmen bedeutet dies, dass zukünftige Regulierung möglicherweise neue Anforderungen schaffen wird, aber dass die Übergangsphase komplex sein kann. Unternehmen sollten bei IT-Entscheidungen beobachten, wie sich die europäische Digital- und Sicherheitspolitik entwickelt, um später nicht in veraltete Systeme gezwungen zu werden.