Im Rahmen des europäischen Cybersecurity Act entstehen Spannungen zwischen Regulierungsbehörden und der Telekommunikationsindustrie. Der Hintergrund ist die Diskussion um technische Abhängigkeiten: Viele europäische Netzbetreiber nutzen derzeit Hardware und Software von chinesischen Herstellern, allen voran Huawei. Aus Sicherheitsgründen und geopolitischen Erwägungen werden nun Pläne erörtert, solche Komponenten aus europäischen 5G- und zukünftigen 6G-Netzen auszuschliessen.
Die Gegenwehr der Branche ist deutlich: Europäische Telekommunikationskonzerne argumentieren, dass ein schneller Austausch dieser Infrastruktur massiv teure Umrüstungen verursachen würde. Sie berichten von technischen Herausforderungen beim Austausch, hohen Kosten und Verzögerungen bei der Netzentwicklung. Ein oft genanntes Argument: Europäische Hersteller wie Nokia und Ericsson könnten diese Mengen technisch und zeitlich gar nicht bewältigen. Zudem seien die europäischen Alternativen nicht in allen Technologiesegmenten konkurrenzfähig.
Hier prallen zwei berechtigte Anliegen aufeinander. Einerseits ist es legitim, nationale und europäische Cybersicherheit nicht vollständig von Herstellern abhängig zu machen, auf die regulatorisch kein Zugriff besteht. Andererseits sind abrupte, technisch unrealistische Verbote wirtschaftlich schädlich und verzögern den Netzausbau. Die Industrie betont, dass eine echte europäische Souveränität durch Nokia und Ericsson allein nicht zu erreichen ist, da diese Firmen selber wiederum Komponenten und Zulieferungen global beziehen.
Für KMU ist dieses Thema indirekt relevant. Telekommunikationsinfrastruktur ist die Grundlage digitaler Wirtschaft. Verzögerungen beim 5G-Ausbau oder steigende Kosten für Netzanbindung verteuern und verlangsamen digitale Transformation. Auch für Cloud-Services und IoT-Anwendungen ist zuverlässige Konnektivität essential. Kleine Unternehmen haben weniger Spielraum, solche Kosten zu tragen, und sind stärker von effizienten Regulierungsprozessen abhängig als Grosskonzerne. Das Ergebnis dieser Diskussion wird beeinflussen, welche Netzqualität und Kosten KMU für ihre Digitalisierung zu erwarten haben.
