In einem bedeutsamen Schritt für die Software-Entwicklergemeinschaft hat die Edison Design Group (EDG) angekündigt, ihr C/C++-Frontend unter eine Open-Source-Lizenz zu stellen. Das Frontend, das bislang kommerziell vertrieben wurde, wird nun als Community-Projekt unter die Obhut der C++ Alliance übergeben. Damit öffnet sich ein wesentlicher Teil der Compiler-Infrastruktur für kollaborative Entwicklung.

Das EDG C/C++-Frontend ist ein hochwertige, industriell bewährte Komponente, die in vielen professionellen Compiler- und Analyse-Werkzeugen eingesetzt wird. Ein Frontend ist die vorderste Schicht eines Compilers und verarbeitet Quellcode in eine interne Repräsentation, die dann weiterverarbeitet wird. Das EDG-Frontend gilt als einer der genaustesten und vollständigsten C++-Parser am Markt und wird von Unternehmen wie Apple, Microsoft und Intel verwendet.

Die Freigabe bedeutet, dass Entwickler, Compiler-Hersteller und Forscher das Frontend nun untersuchen, modifizieren und verwenden können, ohne Lizenzgebühren zu zahlen. Die C++ Alliance, eine Community-getriebene Organisationen rund um die Standardisierung und Weiterentwicklung von C++, wird die Koordination und Wartung übernehmen.

Dies hat weitreichende Auswirkungen auf das Ökosystem: Open-Source-Compiler-Projekte erhalten Zugang zu hochwertiger, bewährter Infrastruktur. Neue Compiler können schneller und mit besserer Genauigkeit entwickelt werden. Auch die Sicherheit profitiert: Code, der öffentlich einsehbar ist, wird von mehr Augen überprüft und kann damit robuster werden.

Für KMU-Entwicklungsteams bedeutet dies Chancen: Interne Werkzeuge zur Codeanalyse oder Spezialisierungen können nun auf bewährter, frei verfügbarer Infrastruktur aufbauen. Auch die Langzeitsicherheit von proprietären Compiler-Abhängigkeiten wird reduziert, wenn man auf Open-Source-Standards setzt. Es lohnt sich, zukünftige Compiler-Investitionen unter diesem Gesichtspunkt zu überdenken.