Das BSI hat eine Warnung zur Cybersicherheit von Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge ausgegeben. Die Behörde klassifiziert diese Infrastruktur als kritisch für die Versorgungssicherheit eines Landes und sieht reale Risiken für gross angelegte Cyberangriffe. Besonders besorgniserregend ist, dass das BSI zwar das Risiko als wahrscheinlich einstuft, aber noch nicht genau weiss, wie, wann und welche Angriffsmuster dabei relevant sein könnten.

Ladestationen sind über Netzwerk- und Cloud-Systeme miteinander verbunden. Sie verwalten Zahlungsvorgänge, Stromerzeugungsdaten und sind oft über das Internet erreichbar, um Fernwartung und Nutzerverwaltung zu ermöglichen. Diese digitale Vernetzung ist einerseits notwendig für den modernen Betrieb, schafft aber auch Angriffsfläche. Ein erfolgreicher Cyberangriff könnte theoretisch Tausende von Ladestationen gleichzeitig deaktivieren, Zahlungssysteme manipulieren oder sogar Stromnetze destabilisieren, wenn Ladestationen Teil der Netzwerk-Infrastruktur sind.

Die Komplexität des Problems liegt darin, dass es bislang keine standardisierten Sicherheitsanforderungen für Ladestationen gibt, die flächendeckend angewendet werden. Verschiedene Hersteller und Betreiber setzen unterschiedliche Sicherheitsmassnahmen um. Das BSI arbeitet daran, hier Standards zu entwickeln, das ist aber noch ein Prozess, der Jahre dauern kann.

Für KMU, die in der Energiewirtschaft oder im Fahrzeugsektor tätig sind, ist dies relevant: Viele dieser Unternehmen arbeiten an der Infrastruktur für Elektromobilität oder sind Zulieferer. Sie sollten jetzt damit beginnen, Cybersecurity in ihre Produktentwicklung zu integrieren und sich mit möglichen Bedrohungsszenarien auseinanderzusetzen. Unternehmen, die Ladestationen betreiben, sollten ihre Netzwerk-Sicherheit überprüfen und mit dem BSI in Kontakt treten, um von zukünftigen Standards und Best Practices zu erfahren.