Eine aktuelle Bitkom-Umfrage zeigt ein beunruhigendes Bild: Immer mehr Unternehmen in Deutschland und Europa berichten von Cyberangriffen, bei denen sie ausländische Geheimdienste oder staatlich gestützte Akteure verdächtigen. Diese Entwicklung ist alarmierend, denn es zeigt, dass es nicht mehr nur um einzelne Hacker geht, die Lösegeld erpressen wollen, sondern um organisierte, gut ausgestattete Akteure mit konkreten strategischen Zielen.

Die Motive dieser staatlichen Angreifer sind vielfältig: Industriespionage, um Geschäftsgeheimnisse und Forschungsergebnisse zu stehlen, ist ebenso ein Ziel wie der Diebstahl von Kundendaten oder sogar Sabotage von Infrastrukturen und Produktionsanlagen. Im Gegensatz zu gewöhnlichen Cyberkriminellen haben solche Akteure typischerweise unbegrenzte Ressourcen, hochqualifizierte Fachkräfte und Geduld. Sie führen oft über lange Zeit hinweg Spionage durch, um ein Unternehmen vollständig zu durchschaue, bevor sie zuschlagen.

Besonders betroffen sind Unternehmen in sensiblen Bereichen wie Rüstung, Energie, Telekommunikation und Forschung. Doch auch mittelständische Betriebe mit spezialisiertem Know-how geraten zunehmend ins Visier. Für viele KMU ist diese Bedrohung noch immer zu abstrakt oder sie unterschätzen die Wahrscheinlichkeit, selbst Ziel zu werden. Ein fataler Fehler.

Die praktische Konsequenz für KMU sollte eine deutlich erhöhte Vigilanz sein. Das bedeutet konkret: regelmässige Sicherheitsaudits durchführen, Netzwerkverkehr überwachen, Zugriffsrechte minimieren (das Principle of Least Privilege), Mitarbeiter schulen und im Fall verdächtiger Aktivitäten nicht zögern, Profis hinzuzuziehen. Auch die Frage, welche Daten und Informationen wirklich sensibel sind und wie sie geschützt werden können, sollte jedes Unternehmen für sich beantworten. Nationale und europäische Behörden bieten mittlerweile auch Beratungen und Informationen für KMU zu diesem Thema an.