Tim Höttges, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Telekom, hat sich öffentlich zu einem zentralen europäischen Problem geäussert: Die digitale und technologische Abhängigkeit Europas von den USA und zunehmend von China. Er warnte in markanten Worten, dass Europa Gefahr läuft, zur "Kolonie der Amerikaner" abzurutschen, wenn nicht grundlegend die Technologiepolitik neu ausgerichtet wird.

Der Kern des Problems liegt in der KI und Rechenzentren-Infrastruktur. Die weltweit dominierenden KI-Modelle stammen von US-amerikanischen Unternehmen wie OpenAI, Google und Anthropic. Die grossen Rechenzentren, die benötigt werden, um KI-Modelle zu trainieren und zu betreiben, befinden sich überwiegend in den USA oder werden von US-Unternehmen kontrolliert. Europa hat in beiden Bereichen deutlich weniger Kapazität aufgebaut.

Dies hat mehrere problematische Konsequenzen. Zum einen fliesst der Wertschöpfungsgewinn aus KI-Technologien zu US-Konzernen. Zum anderen hat Europa weniger Kontrolle über die Technologien, auf die seine Wirtschaft immer abhängiger wird. Dies ist ein Sicherheits- und Unabhängigkeitsproblem.

Höttges fordert massnahmen auf staatlicher Ebene: Investitionen in europäische Rechenzentren, Unterstützung für europäische KI-Forschung und eine bewusste Politik der technologischen Eigenständigkeit. Dies ist nicht nur eine wirtschaftliche Frage, sondern auch eine sicherheitspolitische. Länder, die fundamental abhängig von fremder Technologie sind, haben weniger geopolitischen Handlungsspielraum.

Für Schweizer Unternehmen hat dies praktische Relevanz. Die Schweiz ist in vielen Aspekten noch stärker auf Importe und Partnerschaften angewiesen als grössere Länder. Unternehmen, die ihre IT-Infrastruktur planen, sollten überlegen, wie sie Abhängigkeiten reduzieren können. Das könnte bedeuten, stärker auf Open-Source-Lösungen zu setzen, Mehrfach-Anbieter-Strategien zu verfolgen oder geografisch diversifizierte Cloud-Infrastruktur zu nutzen.