Volkswagen intensiviert den Stellenabbau bei seiner Softwaretochter Cariad. Nach bereits erfolgten Reduzierungen im vergangenen Jahr plant das Unternehmen nun, weitere tausend Arbeitsplätze zu streichen. Dies bedeutet, dass etwa 25 Prozent der aktuellen Belegschaft betroffen sein würde.
Der Hintergrund der Sparrunde ist vielschichtig. Cariad wurde gegründet, um VW unabhängiger von externen Softwarelieferanten zu machen und Kernkompetenzen im Bereich Fahzeugsoftware intern zu entwickeln. Allerdings ist die Entwicklung von komplexer Automobilsoftware teuer und zeitintensiv. Verzögerungen bei Projekten, Umstrukturierungen und finanzielle Zwänge des Konzerns haben zu wiederholten Effizienzprogrammen geführt. Cariad soll schlanker und profitabler werden.
Besonders kritisch ist, dass solche Massstabsverluste die Fähigkeit zur Innovation beeinträchtigen können. Softwareentwicklung funktioniert oft nicht wie Fertigungsoptimierung: Talentierte Ingenieure sind schwer zu ersetzen, und zu schnelle Reduktionen können Projekte gefährden. Zugleich erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass Top-Talente das Unternehmen verlassen, bevor Entlassungen formell werden.
Für Schweizer IT-Dienstleister und Softwareunternehmen ist dieser Fall instruktiv. Er zeigt, dass auch grosse, gut finanzierte Corporates ihre Softwarestrategie regelmässig neu bewerten und Organisationsstrukturen radikal verändern. Dies schafft sowohl Risiken als auch Chancen: Risikoreich ist es für bestehende Zulieferer und Partner von Cariad, da Anforderungen und Budgets sinken. Chancenreich kann es sein für unabhängige Softwareentwickler und Consultants, da fragmentierte oder schrumpfende interne Teams externe Expertise benötigen. Zudem können talentierte Cariad-Mitarbeiter, die das Unternehmen verlassen, in mittelständische Betriebe migrant werden.
