Sicherheitsforscher haben eine Schwachstelle in Mobilfunknetzen mehrerer Anbieter aufgedeckt, die es Angreifern ermöglicht, sensible Informationen über Smartphones zu sammeln. Die Lücke funktioniert über ein unerwartetes Angriffsvektor: einfache Anrufe.

Bei der IMEI-Kennung handelt es sich um eine eindeutige Nummer, die jedes Mobiltelefon identifiziert. Diese Nummer wird normalerweise nur intern von Mobilfunkanbietern verwendet und sollte nicht öffentlich zugänglich sein. Trotzdem konnten Forscher unter bestimmten Bedingungen diese Nummern auslesen, wenn sie sich als Netzwerkkomponenten ausgaben oder spezifische Signalisierungsprotokolle exploitieren.

Die Sicherheitslücke funktioniert, weil die Signalisierungsprotokolle in Mobilfunknetzen älter sind und nicht alle modernen Sicherheitsanforderungen erfüllen. Diese Protokolle wurden für eine Welt entworfen, in der das Netz weniger offener strukturiert war. In der heutigen globalen Telekommunikationsinfrastruktur, mit vielen Interconnection-Points zwischen verschiedenen Betreibern, entstehen neue Angriffsvektoren.

Die Konsequenzen dieser Lücke sind real: Mit einer IMEI-Nummer können Angreifer ein Gerät gezielt anvisieren, etwa um SIM-Swapping-Attacken durchzuführen, Standortverfolgung zu starten oder gezielte Phishing-Angriffe zu starten. Dies ist besonders besorgniserregend für hochwertige Ziele wie Geschäftsführer, Politiker oder Journalisten.

Die identifizierten Mobilfunkanbieter wurden informiert und arbeiten an Patches. Für normale Nutzer gibt es wenig direkten Schutz, ausser die Verwendung von zusätzlichen Sicherheitsmassnahmen wie Multi-Faktor-Authentifizierung. Für Unternehmen ist dies ein Anlass, die Sicherheitsrichtlinien für den Umgang mit Mobiltelefonen zu überprüfen, insbesondere beim Zugriff auf sensible Systeme.