Die Vereinigten Staaten haben eine bahnbrechende Sicherheitsmassnahme autorisiert, die private Unternehmen in die Cyberabwehr einbezieht. Die neue Regelung erlaubt es geprüften Unternehmen, unter Aufsicht der US-Regierung offensive Cyberoperationen gegen Cyberkriminelle im Ausland zu starten. Dies ist ein Paradigmenwechsel in der Cybersecurity-Strategie und signalisiert eine aggressivere Haltung gegenüber Cybercrime.
Bislang war es Privatunternehmen verboten, selbst in Cyberangriffen zur Wehr zu setzen, selbst wenn sie angegriffen wurden. Diese Restriktionen sollten Eskalationen verhindern und juristische Probleme vermeiden. Die neue Regelung ändert dies unter kontrollierten Bedingungen. Unternehmen, die bestimmte Sicherheitsstandards erfüllen und von Behörden genehmigt werden, dürfen jetzt "defensiv" angreifend tätig werden.
Das Konzept ist komplex. Die autorisierten Unternehmen sollen nicht willkürlich hacken, sondern nur unter bestimmten Bedingungen und mit staatlicher Überwachung. Das Ziel ist, gegen organisierte Cyberkriminelle vorzugehen, nicht um private Schulden zu begleichen oder Konkurrenten zu schaden. Die Aufsicht durch die US-Regierung soll sicherstellen, dass die Operationen proportional und gerechtfertigt sind.
Dies eröffnet mehrere Chancen und Risiken. Ein Vorteil ist, dass Cyberkriminelle stärker unter Druck geraten könnten. Wenn Unternehmen aktiv zurückschlagen können, wird Cybercrime teurer und riskanter. Dies könnte abschreckend wirken und die Häufigkeit von Angriffen reduzieren. Zugleich könnten gut verteidigte Unternehmen ihre Systeme besser schützen, wenn sie aktiv auf Bedrohungen reagieren dürfen.
Ein Risiko besteht in Fehlentscheidungen. Was, wenn ein autorisiertes Unternehmen falsch identifiziert, welcher Angreifer für einen Cyberangriff verantwortlich ist, und den falschen Zielort hackt? Die Rechtmässigkeit von privaten Cyberoperationen ist auch international umstritten und könnte diplomatische Spannungen auslösen.
Für europäische und Schweizer KMU ist dies Nachricht von indirekter Bedeutung. Sie könnten von stärkerer US-Abwehr gegen Cyberkriminelle profitieren, wenn diese weniger aktiv sind. Andererseits sollten Unternehmen sich bewusst machen, dass die Cyberabwehr insgesamt aggressiver wird. Dies könnte auch zu versehentlichen Schäden bei unbeteiligten Systemen führen. Eine gute Cyber-Hygiene bleibt daher wichtiger denn je.
