Die zunehmenden Anforderungen an die IT in Krankenhäusern stellen Betreiber vor erhebliche Herausforderungen. Bei einem Branchenevent zum Jubiläum der Krankenhaus-IT wurde deutlich, dass die Komplexität nicht allein durch technische Fortschritte bewältigt wird, sondern auch administrative und regulatory Lasten kontinuierlich steigen.
Ein besonders prägnantes Beispiel: Um Dokumentation korrekt hochzuladen, benötigen Mitarbeiter teilweise 25-seitige Erklärungen und Handbücher. Das illustriert, wie sich unkontrolliertes Wachstum von Schnittstellen, Anforderungen und Prozessregeln zu einer kaum noch bewältigen Komplexität aufstaut. Viele dieser Anforderungen entstehen nicht aus medizinischer Notwendigkeit, sondern aus regulatorischen und administrativen Vorgaben.
Besonders problematisch werden diese Verhältnisse durch die Tatsache, dass gerade staatlich finanzierte oder forcierte IT-Projekte oft unzureichend gereift sind. Sie bürden Krankenhäusern zusätzliche Compliance-Last auf, ohne dass Nutzer und Dienstleister gleichermasssen in deren Gestaltung eingebunden wurden. Das führt zu Systemen, die zwar formal Anforderungen erfüllen, aber praktisch ein Albtraum für Endnutzer sind.
Für IT-Dienstleister in der Schweiz, die mit dem Gesundheitswesen arbeiten oder es tun wollen, ist dies ein wichtiges Lehrstück: Digitalisierung ohne enge Zusammenarbeit mit tatsächlichen Nutzern führt zu Systemen, die zwar komplex und formal korrekt sind, aber den Arbeitsfluss behindern statt zu unterstützen. Der Druck, den dieser Bericht aus dem deutschen Markt aufzeigt, wird auch in der Schweiz nicht verschwinden. Eine proaktive, benutzerorientierte Gestaltung solcher Systeme wird zur Differenzierungschance.
