Die Verfügbarkeit zuverlässiger Mobilfunkanbindung ist für moderne Gesellschaften und Wirtschaft essentiell. In vielen Regionen, besonders im ländlichen Raum, gibt es aber Funklöcher, wo terrestrisches Netzwerk nicht wirtschaftlich ausgebaut werden kann. Satelliteninternet bietet hier eine Alternative. Allerdings ist der Markt derzeit stark von Starlink dominiert, einem kommerziellen Anbieter aus den USA unter der Leitung von Elon Musk.
Die drei grössten europäischen Mobilfunknetzbetreiber, Telekom (Deutschland), Vodafone (Grossbritannien, Deutschland, viele weitere Länder) und Telefónica (Spanien, Portugal, weitere), möchten diese Abhängigkeit verringern. Ihre Strategie ist, ein eigenes europäisches Satellitennetwork aufzubauen. Damit hätte die EU eine unabhängige Alternative zu Starlink für Satellitenkonnektivität im 2-GHz-MSS-Band (MSS steht für Mobile Satellite Service).
Ein europäisches Satellitennetz hätte mehrere Vorteile: Erstens reduziert es die Abhängigkeit von US-Unternehmen und -Technologie. Zweitens können Regulierung und Datenschutzsicherheiten europäischen Standards entsprechen. Drittens entsteht potentiell eine neue europäische Wertschöpfungskette und Geschäftsmodelle rund um Satelliteninternet.
Das Projekt ist ambitioniert und kostspielig. Satellitennetzwerke erfordern erhebliche Investitionen in Satellite-Konstruktion, Start-Kapazität, Bodeninfrastruktur und Betriebskosten. Über ein Konsortium können diese Lasten geteilt werden. Der politische Support auf europäischer Ebene (EU-Regulatoren und nationale Regierungen) wird essentiell sein.
Für Schweizer IT-Dienstleister und Unternehmen bietet ein europäisches Satellitennetwork neue Möglichkeiten, speziell für Remote-Standorte, Notfall-Kommunikation oder IoT-Anwendungen in unterversorgten Gebieten. Auch Fragen der digitalen Souveränität und Unabhängigkeit von einzelnen globalen Akteuren werden damit zugunsten Europas adressiert.
