Das russische Satellitensystem Rassvet ist eine militärische Antwort auf die Dominanz von SpaceX's Starlink, das der Ukraine derzeit kritische Kommunikationsinfrastruktur bereitstellt. Russland baut Rassvet im Eiltempo aus und nutzt es unter anderem zur Steuerung von Drohnen im Ukrainekrieg. Das System bietet Russland eine unabhängige Satelliten-Kommunikationsinfrastruktur, die nicht kontrolliert oder unterbrochen werden kann wie westliche Systeme.
Technisch unterscheidet sich Rassvet von Starlink durch niedrigere Orbits und militärische Verschlüsselung. Die Latenz ist geringer, und die Abhängigkeit von westlichen Infrastrukturen fällt weg. Dies macht Rassvet für Russland hochgradig attraktiv, insbesondere in Szenarien, in denen westliche Sanktionen oder technische Eingriffe drohen. Der Aufbau erfolgt schnell, da Russland auf sowjetische Erfahrung mit ähnlichen Systemen zurückgreifen kann.
Die Implikationen gehen über den Ukrainekrieg hinaus. Sollte Rassvet zur vollständigen globalen Abdeckung ausgebaut werden, hätte dies Auswirkungen auf die Internet-Governance weltweit. Ein unabhängiges, von Russland kontrolliertes Satelliten-Netzwerk könnte für andere Staaten und Organisationen auch attraktiv sein, die ihre Unabhängigkeit von westlichen Infrastrukturen erhöhen möchten. Dies könnte zu einer fragmentierten, geopolitisch polarisierten Satelliten-Kommunikationslandschaft führen.
Für Schweizer IT-Dienstleister und europäische Unternehmen hat dies subtile, aber wichtige Implikationen. Erstens zeigt sich, dass Satelliten-Kommunikation zunehmend ein Instrument der Geopolitik wird. Unternehmen, die auf Starlink oder andere westliche Systeme angewiesen sind, sollten das Risiko von Unterbrechungen durch geopolitische Konflikte einkalkulieren. Zweitens deutet Rassvet auf die Fragmentierung der globalen Internet-Infrastruktur hin. Dies könnte zukünftige Herausforderungen für internationale Datenübertragung und Cloud-Dienste mit sich bringen.
Europäische und Schweizer Strategien sollten daher auf redundante, lokal kontrollierte oder neutrale Kommunikationsinfrastrukturen hinarbeiten, um nicht in Abhängigkeiten zu geraten. Dies ist langfristig auch eine Frage der digitalen Resilienz.
