SAP ändert sein Vorgehen bei der Entwicklung von KI-Funktionen. Das Unternehmen entsendet kleine Entwicklerteams direkt zu grossen Kundenunternehmen wie Bayer und H&M, um dort an echten geschäftlichen Problemen zu arbeiten. Diese Praxiserfahrung fliesst dann direkt in die Produktentwicklung zurück und ermöglicht es SAP, schneller und zielgerichteter marktreife KI-Funktionen bereitzustellen.

Dieses Modell unterscheidet sich grundlegend von klassischen Softwareentwicklungsprozessen, bei denen Programmierer in Büros oder Entwicklungszentren in generalisierte Lösungen arbeiten, die erst später bei Kunden getestet werden. SAPs neuer Ansatz verkürzt diese Feedback-Schleife dramatisch. Entwickler erleben unmittelbar, welche Anforderungen die Praxis stellt und wo die aktuelle Software scheitert.

Für KMU-Kunden ergeben sich daraus interessante Implikationen. Einerseits deutet dies an, dass SAP selbst merkt, dass KI in Enterprise-Software bisher noch nicht gut genug alltagstauglich ist. Andererseits könnten Kundenunternehmen, die bereit sind, SAP-Entwickler intern aufzunehmen, in den Vorteil kommen, früher und passgenauer KI-Features zu erhalten, die auf ihre speziellen Prozesse zugeschnitten sind.

Dies ist auch ein Trend im gesamten Softwaremarkt: Die Kombination aus KI-Generalisierung und Domänenerkenntnis wird zum kritischen Erfolgsfaktor. Unternehmen, die nur generische KI-Modelle einsetzen, ohne sie durch echte Fachkenntnis anzupassen, werden zunehmend von Konkurrenten abgehängt, die massgeschneiderte Lösungen haben.

Für Schweizer IT-Dienstleister könnte dies ein Signal sein, ähnliche Ansätze zu entwickeln: Remote-Teams bei Kunden einsetzen, um sowohl bessere Lösungen zu schaffen als auch tiefere, längerfristige Kundenbeziehungen zu etablieren. SAP zeigt, dass dies ein tragfähiges Geschäftsmodell sein kann.