Open RAN ist ein konzeptionell wichtiger, aber praktisch noch immer schwieriger Weg für Mobilfunkanbieter. Das von 1&1 Mobilfunk verfolgte Modell bedeutet, unterschiedliche Komponenten der Mobilfunkinfrastruktur von verschiedenen Herstellern zu beziehen, statt auf proprietäre, integrierte Lösungen zu setzen. Dies könnte langfristig zu mehr Wettbewerb und geringeren Abhängigkeiten führen.
Das Unternehmen 1&1 Mobilfunk, das lange von Vodafone-Infrastruktur abhängig war, wollte sich mit Open RAN schrittweise unabhängiger machen. Allerdings zeigt sich bei der praktischen Umsetzung, dass die Technologie noch nicht mature ist. Netzwerk-Integration ist komplex, und es gibt weniger erprobte Kombinationen von Hard- und Software als bei etablierten Systemen.
Laut CEO Michael Martin, ein ehemaliger Manager von Sunrise Communication Schweiz, hofft das Unternehmen weiterhin auf die Vorteile von Open RAN. Die langfristige Perspektive ist attraktiv: Flexibilität bei Hardware-Auswahl, Kostenoptimierung und Unabhängigkeit. Doch die mittelfristige Realität ist schwieriger. Der Aufbau von alternativer Infrastruktur braucht Zeit, Kapital und stabile Technologie.
Für den Schweizer und deutschen Markt ist dies interessant, weil 1&1 auch hier aktiv werden könnte. Ein echter Wettbewerber mit unabhängiger Infrastruktur könnte Druck auf die etablierten Anbieter Swisscom, Vodafone und Sunrise ausüben. Allerdings ist unklar, in welchem Zeitrahmen 1&1 wirklich kompetitiv werden kann.
Für Unternehmen: Die Entwicklung von 1&1 zu beobachten ist sinnvoll. Ein erfolgreiches Open-RAN-Netzwerk könnte neue Optionen für kritische Geschäftsverbindungen bieten, oder zumindest mehr Verhandlungsspielraum bei etablierten Providern schaffen. Derzeit ist 1&1 noch keine sichere Alternative, aber mittelfristig könnte sich das ändern.
