Hannovers ehrgeiziger Plan, seine Schulen digital auszurüsten, geriet in eine peinliche Schiefage. Die Stadt beschaffte 75.000 Microsoft-365-Lizenzen für tausende Schulen, ein gigantisches Softwarepaket mit E-Mail, Cloud-Speicher, Office-Anwendungen und Kollaborationstools. Ein Jahr später lautet die ernüchternde Bilanz: Weder die Schulen noch die Stadt können erklären, wozu sie diese Lizenzen tatsächlich brauchen.
Dies ist ein klassisches Beispiel für eine häufige Fehlanschaffung im öffentlichen Sektor. Anstatt zunächst zu analysieren, welche Probleme gelöst werden müssen und welche Werkzeuge dafür geeignet sind, wurde zuerst ein teures Softwarepaket beschafft, und dann sollte sich zeigen, wie man es nutzt.
Die Gründe für dieses Vorgehen sind vielfältig. Oftmals wird der Druck, "digital zu werden", von der Politik als Massnahme an sich betrachtet, ohne technische und pädagogische Implikationen gründlich zu durchdenken. Microsoft-365 ist eine mächtige Plattform, aber nicht automatisch die beste Lösung für alle Bildungseinrichtungen. Schulen haben unterschiedliche Anforderungen. Manche benötigen vor allem sichere Kommunikation, andere fokussieren auf Lernmanagementsysteme, wieder andere auf kollaboratives Arbeiten.
Ein weiteres Problem liegt in fehlender Change-Management-Unterstützung. Eine solch grosse Einführung erfordert Schulungen für Lehrer und Administratoren, klare Richtlinien zur Nutzung und eine aktive Begleitung. Ohne diese Komponenten führt die beste Software zu Frustration und wird nicht genutzt.
Für KMU ist hier die Lektion klar: Vor jeder Softwarebeschaffung sollte eine bedarfsgerechte Analyse stattfinden. Kaufen Sie nicht, weil es modisch ist, sondern weil es ein reales Problem löst. Planen Sie die Implementierung und den Support ein, und vergessen Sie nicht die Nutzerschulung.
