Die digitale Infrastruktur Europas steht vor einem bedeutenden Umbruch. Der Digital Networks Act, ein wichtiges Gesetzesvorhaben der EU, soll die Netzwerke des Kontinents modernisieren und die Voraussetzungen für schnellere, sichere und nachhaltige Konnektivität schaffen. Das Europäische Parlament hat jetzt seine Position in diesem Prozess deutlich gemacht.

Besonders interessant ist die Haltung zu Glasfaser: Das Parlament sieht Glasfaser als die Zukunftstechnologie für breitbandige Verbindungen an. Dies ist nicht überraschend, denn Glasfaser bietet deutlich höhere Geschwindigkeiten, bessere Zukunftssicherheit und geringere Latenz als ältere Technologien. Das Parlament möchte daher eine ambitionierte Strategie für den flächendeckenden Glasfaser-Ausbau, auch in weniger rentablen, ländlichen Gebieten.

Ein zweites zentrales Thema ist die Kupfer-Abschaltung. Viele europäische Länder betreiben noch Kupfernetzwerke, die von der Deutschen Telekom, Vodafone und anderen Betreibern stammen. Diese Netzwerke sind in die Jahre gekommen und werden zunehmend als Bremsstein wahrgenommen. Das Parlament möchte klare Regeln für den Ausstieg aus diesen älteren Technologien, um Investitionen in moderne Infrastruktur zu beschleunigen.

Allerdings gibt es Spannungen: Während das Parlament ambitioniert voranschreiten will, haben andere Akteure Bedenken. Netzwerkbetreiber fürchten die Kosten, ländliche Gebiete sorgen sich um ihre Versorgung, und verschiedene Länder haben unterschiedliche Interessen. Der Digital Networks Act muss diese vielen Perspektiven vereinigen.

Für Schweizer KMU und Internetdienstleister ist dies relevant, da die europäischen Entwicklungen auch die Schweiz beeinflussen. Ein moderner europäischer Netzwerk-Standard setzt Druck auf Schweizer Infrastruktur-Betreiber, ebenfalls zu modernisieren. Schnellere Netze bedeuten bessere Geschäftsbedingungen für Unternehmen, die auf zuverlässige und schnelle Internetanbindung angewiesen sind.