Deutschland verfolgt das Ziel, seine digitale Souveränität zu stärken und eine wettbewerbsfähige KI-Industrie aufzubauen. Dazu sind leistungsstarke Rechenzentren unerlässlich, doch wie aktuelle parlamentarische Anfragen offenbaren, hat die Bundesregierung überraschend wenig Überblick darüber, wo und wie viele neue Rechenzentren entstehen. Abfragen zur Wasserbedarf, zum Stromverbrauch und zu konkreten Standorten erhalten oft die Antwort, dass diese Daten nicht systematisch erfasst werden.
Das Problem ist erheblich: Rechenzentren sind heute kritische Infrastruktur. Ein Rechenzentrum benötigt enorme Mengen Wasser zur Kühlung, Megawatts an Strom, und muss an Hochgeschwindigkeits-Netze angebunden sein. Wenn die Regierung nicht weiss, wie viele Zentren geplant sind und welche Ressourcen sie benötigen, kann sie keine kohärente Infrastruktur-, Energie- oder Netzwerkpolitik umsetzen. Dies führt zu Improvisationen und Konflikten, etwa wenn ein Rechenzentrum mehr Wasser braucht als regional verfügbar ist.
Die fehlende Datenlage ist auch ein Risiko für Investitionen: Unternehmen, die in deutsche Rechenzentren investieren möchten, erhalten von der Regierung keine zuverlässigen Prognosen zu Energieverfügbarkeit oder Netzwerkinfrastruktur. Das schafft Unsicherheit und könnte Investitionen abschrecken. Andere Länder wie Irland, Niederlande oder Frankreich haben etablierte Prozesse, um Rechenzentrum-Projekte frühzeitig zu erfassen und zu koordinieren.
Für Schweizer Unternehmen ist dies ein Hinweis auf die Chancen, die sich bieten, wenn der grösste Nachbarmarkt fragmentiert und unsicher ist. Die Schweiz könnte mit klaren Strategien für Rechenzentrum-Standorte, stabiler Energieversorgung und hochperformantem Internet gezielt Investitionen anziehen. Gleichzeitig sollten Schweizer IT-Dienstleister aufmerksam verfolgen, wie sich Deutschlands Strategie entwickelt, da sie selbst Kunden hat, die dort expandieren und auf zuverlässige lokale Infrastruktur angewiesen sind.
