Künstliche Intelligenz bringt Start-ups neue Möglichkeiten, aber auch administrative Komplexität. Ein aktueller Fall illustriert das Problem: Ein Unternehmen beteiligte sich an einem Förderprogramm von Microsoft und erhielt in diesem Rahmen Azure-Guthaben. Diese Gutschrift sollte für Cloud-Services verwendet werden, umfasste aber auch die Möglichkeit, KI-Modelle wie Claude von Anthropic zu nutzen.

Das Start-up nutzte diese Möglichkeit intensiv, entwickelte und testete auf der Azure-Plattform mit Claudes KI-Modellen. Allerdings setzte die Microsoft-Gutschrift ab, und nun präsentiert Anthropic dem Unternehmen eine erhebliche Rechnung für die Claude-Nutzungen. Das Problem: Es ist unklar, welcher Vertragspartner für diese Kosten aufkommen soll.

Das Unternehmen argumentiert, dass die Nutzung im Rahmen des Microsoft-Förderprogramms erfolgt sei und Microsoft dafür aufkommen sollte. Microsoft hingegen zieht sich zurück und argumentiert, dass der Nutzer selbst für die Anthropic-Kosten aufkommen muss. Anthropic wiederum harrt auf Bezahlung. Das Start-up sitzt so fest zwischen den grossen Playern, ohne klare Ansprechpartner.

Der Fall offenbart mehrere Probleme. Erstens sind die Lizenz- und Abrechnungsstrukturen für KI-Services oft unklar. Zweitens fehlen klare vertragliche Aussagen, was unter verschiedenen Szenarien deckt ist. Drittens haben KMU oft weniger Verhandlungsmacht als grosse Unternehmen. Für Organisationen, die mit KI-Services experimentieren: Es ist kritisch, die Bedingungen vor der intensiven Nutzung genau zu klären, besonders wenn mehrere Anbieter beteiligt sind. Schriftliche Zusicherungen sind essentiell, um später Überraschungen zu vermeiden.