Der Breitbandausbau ist ein zentrales Anliegen der deutschen Infrastrukturpolitik. Jahrelang haben Netzbetreiber in den Aufbau von Glasfaseranschlüssen investiert, um mehr Deutsche schneller und zuverlässiger ins Internet zu bringen. Doch dieser Ausbau verlangsamt sich jetzt deutlich.
Der Branchenverband Breko meldet, dass die Glasfaser-Investitionen (FTTH, Fiber To The Home) von Telekom-Wettbewerbern erstmals rückläufig sind. Das ist überraschend, denn Glasfaser gilt als Zukunftstechnologie und der Ausbau wurde lange als strategische Priorität behandelt. Was ist der Grund?
Die Antwort liegt in einer veränderten Geschäftsstrategie. Früher bauten Netzbetreiber Glasfaseranschlüsse spekulativ aus, also ohne dass bereits Kunden die Leitung buchen würden. Das war aufwendig und teuer, folgte aber der Hoffnung, dass Kunden später hinzukommen würden. Dieses Modell funktioniert nicht mehr optimal. Der Markt ist teilweise gesättigt, und Investoren sind vorsichtiger geworden.
Deshalb fahren Betreiber nun ein anderes Konzept: Sie bauen neue Glasfaseranschlüsse gezielt nur noch dort aus, wo bereits Kundenverträge vorliegen oder sehr wahrscheinlich sind. Das ist wirtschaftlicher, bedeutet aber auch, dass der flächendeckende Ausbau weniger Momentum hat.
Für Unternehmen und Gemeinden, die auf schnelle Internetanbindung angewiesen sind, ist dies eine etwas schwierigere Situation. Der spekulative Ausbau war zwar teuer, führte aber dazu, dass auch kleinere Orte und Gewerbegebiete Zugang zu moderner Infrastruktur erhielten. Wenn der Ausbau jetzt kundengesteuerter wird, könnte es länger dauern, bis alle Regionen versorgt sind. KMU in weniger dicht besiedelten Gebieten sollten daher bei der Planung realistisch bleiben und eventuell selbst Initiativen ergreifen, um Glasfaseranschlüsse in ihre Region zu bringen.
