Rheinmetall hat unter dem Label "Software-Defined Defence" einen Schritt unternommen, der zunächst nach grösserer Transparenz klingt: Das Unternehmen stellt Schnittstellen (APIs) seiner Militärplattformen als Open Source zur Verfügung. Dies könnte theoretisch Interoperabilität fördern und Entwicklern ermöglichen, auf diese Systeme aufzubauen.
Eine genaue Analyse der veröffentlichten Dokumentation offenbart jedoch, dass diese "Offenheit" erhebliche Einschränkungen hat. Nicht alle Schnittstellen sind tatsächlich open, manche sind nur teilweise dokumentiert, und strategisch kritische Funktionsbereiche bleiben proprietär. Dies ist ein typisches Muster von sogenannter "Pseudo-Open-Source", bei der Unternehmen den Anschein von Offenheit schaffen, ohne tatsächlich Kontrolle abzugeben.
Aus einer Sicherheitsperspektive ist dies problematisch, weil echte Open-Source-Sicherheit auf vollständiger Transparenz und Community-Audit basiert. Teilweise offene Systeme können Sicherheitslücken verbergen, ohne dass externe Sicherheitsforscher diese finden können. Dies ist besonders kritisch bei militärischer Software, wo Sicherheit essenziell ist.
Für IT-Verantwortliche in der Schweiz oder Europa, die mit solchen Systemen interagieren oder integrationsfähig sein müssen, ist dies relevant. Es zeigt, dass man nicht blind auf "Open-Source"-Ankündigungen vertrauen sollte, sondern die tatsächliche Dokumentation und Verfügbarkeit überprüfen muss. Zudem illustriert es, wie Rüstungsunternehmen Offenheit strategisch einsetzen, während sie gleichzeitig kontrollieren, wer echten Zugriff hat. Dies unterstreicht die Importance von kritischem Hinterfragen bei technischen Partnerschaften mit grösseren Playern.
