Die EU-Kommission hat mit deutlichen Worten auf Berichte reagiert, wonach der Satelliten-Internetdienst Starlink seine Kapazitäten in der Ukraine eingeschränkt oder gedrosselt hat. Die Drosselung von kritischen Kommunikationsdiensten während eines andauernden Konflikts wird von der EU als "äusserst besorgniserregend" bewertet. Dieses Szenario illustriert eine neue Dimension von kritischer Infrastruktur und geopolitischer Abhängigkeit.
Starlink, betrieben durch SpaceX unter Leitung von Elon Musk, ist für die Ukraine eine essenzielle Kommunikationsinfrastruktur geworden. Nach der russischen Invasion stellte Starlink eine der wenigen verfügbaren Optionen für Internet-Konnektivität in kriegszerstörten Gebieten dar. Die Infrastruktur wurde auch vom ukrainischen Militär genutzt. Eine Einschränkung dieser Dienste hätte daher nicht nur zivile, sondern auch strategische Konsequenzen.
Der Konflikt hebt ein tiefgreifendes Problem hervor: Kritische digitale Infrastruktur liegt teilweise in den Händen von Privatunternehmen einzelner Länder. Während traditionelle Infrastruktur wie Eisenbahnen oder Stromnetzwerk meist staatlich oder europäisch reguliert ist, dominieren bei Satelliteninternet und vielen Cloud-Services amerikanische Unternehmen. Die EU möchte daher stärker in technologische Unabhängigkeit investieren und hat bereits Initiativen wie Gaia-X gestartet.
Für KMU-Unternehmen in Europa stellt sich daraus eine strategische Frage: Wie abhängig sollten kritische Geschäftsprozesse von amerikanischen Tech-Infrastrukturen sein? Besonders bei Kommunikation, Datenverarbeitung und Internet-Zugang sollten Unternehmen diversifizieren und wenn möglich europäische oder national kontrollierte Alternativen nutzen. Dies nicht nur aus Sicherheitsgründen, sondern auch um die eigene geschäftliche Kontinuität zu sichern.
