Open RAN ist ein technologischer Ansatz, der die Mobilfunk-Infrastruktur flexibler und unabhängiger von einzelnen Herstellern machen soll. Statt proprietärer Systeme von Telekommunikationsgiganten sollen offene Standards es ermöglichen, Hardware und Software von verschiedenen Anbietern zu kombinieren. Dies sollte theoretisch zu Kostenersparnissen führen.
Der Mobilfunkanbieter 1&1, der beim Netzausbau stark auf Open RAN setzt, zeigt sich jedoch nüchterner: Der Chefin des Unternehmens zufolge sind die erwarteten Kostenvorteile derzeit noch nicht zu realisieren. Das Unternehmen sieht zwar langfristiges Potenzial, warnt aber davor, bereits heute mit kostensparenden Effekten zu werben.
Ein Grund liegt in der Komplexität der Austauschbarkeit: Obwohl Open RAN als «offen» konzipiert ist, erweist sich die praktische Interoperabilität verschiedener Komponenten von unterschiedlichen Herstellern als schwieriger als erhofft. Integrationen erfordern extensive Tests und Anpassungen, was den theoretischen Kostenvorteil aufzehrt.
Dies ist eine wichtige Lernstunde für Technologie-Transformationen: Theoretische Architekturen und Spezifikationen sind nicht automatisch mit praktischer Wirtschaftlichkeit gleichzusetzen. Implementierung erfordert oft unerwarteten Aufwand.
Für IT-Dienstleister und Unternehmen ist dies ein Warnsignal für andere Modernisierungsprojekte: Wenn ein Unternehmen damit wirbt, dass neue Technologie Kosten sparen wird, sollte eine genauere Prüfung stattfinden. Die Realität ist häufig, dass Einsparungen erst nach Jahren erreicht werden, nachdem erhebliche Investitionen getätigt wurden. Organisationen sollten bei Technologie-Migrations-Entscheidungen konservativ kalkulieren und sich nicht zu sehr auf versprochene künftige Einsparungen verlassen.
