Datensouveränität ist zu einem Schlüsselwort in der europäischen Digitalpolitik geworden. Die Forderung ist einfach: Unternehmen und öffentliche Stellen sollten die volle Kontrolle über ihre Daten behalten, diese nicht unkontrolliert in die Cloud verlieren und die Abhängigkeit von US-amerikanischen Cloud-Providern reduzieren. Doch die Realität zeigt ein anderes Bild.
Viele Organisationen realisierten schnell, dass Datensouveränität nicht nur ein politisches oder strategisches Konzept ist, sondern auch eine praktische Herausforderung. Der erste Schritt wäre, überhaupt zu wissen, wo die eigenen Daten liegen. In einem typischen Unternehmen mit jahrelang gewachsener IT-Infrastruktur ist das aber erschreckend schwer. Daten sitzen auf alten On-Premise-Servern, in verschiedenen Cloud-Services, in Shadow-IT-Lösungen und oft sogar noch in physischen Archiven.
Ein weiteres Problem ist die Klassifizierung von Daten. Welche Informationen sind wirklich kritisch für die Geschäftstätigkeit? Welche unterliegen Datenschutzvorgaben wie der DSGVO? Welche könnten Konkurrenzvorteile gefährden? Diese Fragen müssen beantwortet werden, bevor man überhaupt sinnvolle Datensouveränität-Strategien umsetzen kann.
Auch die Frage der Zugriffskontrolle ist oft ungeklärt. Wer darf auf welche Daten zugreifen, und ist diese Kontrolle tatsächlich umgesetzt? In vielen Organisationen werden Datenbankpasswörter weitergegeben, Legacy-Systeme haben keine granulare Zugriffskontrolle, und Admin-Rollen haben zu breite Befugnisse.
Für KMU-IT-Dienstleister entsteht hier ein Beratungsangebot: Ein strukturiertes Data Governance Programm hilft Kunden, diese Grundlagen zu schaffen. Dazu gehören Data Inventory (Wo liegen unsere Daten?), Data Classification (Wie sensibel sind sie?), Access Control (Wer darf darauf zugreifen?) und Monitoring (Wird tatsächlich korrekt zugegriffen?).
Erst wenn diese Basis gelegt ist, macht es Sinn, über konkrete Datensouveränität-Massnahmen nachzudenken, sei es die Migration zu europäischen Cloud-Providern, die Verschlüsselung sensibler Daten oder die Implementierung stärkerer Compliance-Kontrollen. Ohne diesen Überblick ist Datensouveränität nur ein leeres Versprechen.
