Ein beunruhigendes Szenario entfaltet sich im Weltall: Der russische Satellit Cosmos 2612 führt seit Wochen Manöver durch, die ihn auf einen kollisionsnahen Kurs zu dem kommerziellen Radar-Satelliten Iceye-X36 bringen. Dies ist kein Zufall, sondern offenbar eine gezielte Operation mit strategischen Zielen.
Der Iceye-X36 ist ein finnischer Radar-Satellit, der routinemässig Bilddaten erfasst und diese an verschiedene Kunden weiterleitet. Unter diesen Kunden ist die Ukraine, die diese Aufklärungsdaten für militärische und zivile Zwecke nutzt. Die Satellitenkameras können Ziele auf der Erde mit hoher Auflösung abbilden, was dem ukrainischen Militär einen erheblichen Vorteil verschafft.
Russland hat ein klares Motiv, diesen Satelliten zu stören oder auszuschalten. Ein Anschlag auf die Iceye-X36 würde eine wichtige Informationsquelle der Ukraine zerstören. Die langsamen, wiederholten Manöver des Cosmos-2612-Satelliten deuten darauf hin, dass Russland nicht einfach eine Kollision anstrebt, sondern möglicherweise eine Gefährdungssituation herbeiführen will, um die internationale Gemeinschaft unter Druck zu setzen oder als Warnung zu fungieren.
Dieses Verhalten stellt eine neue Form der Kriegsführung dar: Nicht mit Raketen vom Boden aus, sondern mit Satelliten im All. Es verdeutlicht, wie kritisch die Infrastruktur im Weltall für moderne Konflikte geworden ist.
Für die Schweizer IT-Sicherheit und kritische Infrastruktur ist dies ein weiteres Signal: Satelliten-basierte Dienste für Kommunikation, Navigation und Datenverbindung sind potenzielle Angriffsziele. Organisationen, die sich auf Satelliten-Internet oder Satellitennavigation verlassen, sollten Redundanzen aufbauen und Fallback-Strategien entwickeln. Besonders für KMU mit essenziellen Datenverbindungen ist eine Diversifizierung der Kommunikationskanäle sinnvoll.
