Eine Gruppe von 17 führenden europäischen Telekommunikationskonzernen hat in einer gemeinsamen Warnung die Europäische Union aufgefordert, ihre Regulierungspolitik im Bereich Telekommunikation zu überdenken. Das Anliegen der Telecom-Chefs ist, dass Europa die Kontrolle über seine Kommunikationsinfrastruktur verliert, wenn nicht schnell Massnahmen ergriffen werden.

Das Problem liegt in mehreren Faktoren. Erstens wird das europäische Telekommunikations-Geschäft durch strengere Fusionsregeln behindert. Im Gegensatz zu amerikanischen oder asiatischen Märkten, wo grössere Konsolidierungen möglich sind, müssen europäische Anbieter unter restriktiveren kartellrechtlichen Bedingungen operieren. Dies macht es schwierig, die notwendigen Investitionen in moderne 5G- und 6G-Infrastruktur zu tätigen.

Zweitens fordern die Telecom-Chefs weniger Restriktionen bei der Auswahl von Netzwerk-Herstellern. Besonders relevant ist hier die Frage von Huawei: Europäische Länder haben unterschiedliche Positionen zur Verwendung von Huawei-Technologie in kritischen Netzwerk-Komponenten. Dies führt zu Fragmentierung und höheren Kosten. Die Telecom-Anbieter argumentieren, dass mehr Flexibilität bei der Lieferantenauswahl erforderlich ist.

Drittens gibt es Sorgen um die technologische Souveränität Europas. Wenn europäische Telecom-Unternehmen nicht konkurrenzfähig sind, könnten sie von globalen Akteuren überflügelt werden, was strategische Abhängigkeiten schafft.

Für Schweizer Unternehmen und Konsumenten ist dies relevant, da Schweizer Telecom-Unternehmen ähnliche Herausforderungen erleben. Eine fragmentierte und kostspielige Infrastruktur beeinflusst letztendlich auch die Preise und die Qualität der Dienstleistungen. Das Thema zeigt auch, dass Netzwerk-Infrastruktur ein strategisches Gut ist, das in einem internationalen Kontext betrachtet werden muss. Unternehmen sollten darauf achten, dass ihre Abhängigkeiten von Infrastruktur-Providern nicht zu gross werden.